Dieser Text ist voller Liebe

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Unzählige Kommentare haben sich bei meinem letzten Blogeintrag beklagt, ich würde mich immer nur nerven und rummotzen und wassollichsagen, ihr habt natürlich Recht! Hier sind wir nicht im Bällchenparadies und schon gar nicht auf einem Ponyhof, hier gibts echte Gefühle aus den Tiefen des Verdauungstraktes direkt in eure Magengrube. Und echte Lügen, denn es gab natürlich gar keine unzähligen Kommentare, nur einen Vorschlag, ich solle mir Fliegengitter ans Fenster hängen. Fliegengitter! Nützt doch alles gar nichts, weil irgendwo finden diese summenden Mistviecher immer eine Ritze, alles schon versucht, meine Damen und Herren!  Vielleicht wäre ich auch besser gelaunt, wenn ich mehr Kommentare bekommen würde. Ein gelegentliches „made my day!“ würde wahre Wunder bewirken und mich in meiner persönlichen geistigen Entwicklung ungemein vorwärts bringen, ganz zu schweigen von selten gelesenen aber immer gern gesehenen Spenden-, Kuchen- und Paarungsangeboten.

Vielleicht liegt es auch an mir, vielleicht sollte ich anfangen, hier mehr Liebe zu verbreiten, mehr virtuelle High-Fives, vielleicht sollte ich anfangen, ganzen Bevölkerungs- und Berufsgruppen zu danken, einfach, weil sie existieren. Dem Obdachlosen zum Beispiel, der neulich im ÖV die Abwesenheit meiner Ohrstöppsel völlig korrekt als Interesse an seinen Verschwörungstheorien deutete, die Schweiz sei nämlich alles andere als neutral, wer das glauben würde, der glaube auch an den Osterhasen und könne genausogut nach Hause gehen und sich eins wichsen. Danke, namenloser ungewaschener Fox Mulder-Verschnitt! Die Welt wäre ohne dich ein viel ärmerer Ort, vill Liebi! Oder was würde ich tun ohne die penetrant untalentierte Tramsängerin, die just in dem Moment ihre….“Version“ von „La cucaracha“ schmettert, wenn sich die automatischen Türen zur trommelfellfreundlicheren Freiheit nur noch mittels rotem Notfallhebel öffnen lassen? Die einen ganzen Tramwagen als Rassisten beschimpfte, weil wir Zweifel an ihren potentiellen Voice-of-Switzerland-Ambitionen äusserten und diese auch nicht in irgendeiner Form finanziell unterstützen wollten? VILL LIEBI AUCH DIR!

Viel Liebe gebührt auch all den Kunden, die ihre Daten auf exotisch-geformten USB-Sticks vorbeibringen. Da können die Kunden natürlich meistens nichts dafür, trotzdem frage ich mich: woher habt ihr diese cheiben-unpraktischen Teils eigentlich her? Beim Elektrodiscounterfachhändler sehe ich jeweils immer praktische, dem aktuellen gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechende länglich-schlank geformte Sticks, trotzdem scheint irgendwo ein sadistischer Dödel einen Heidenspass daran zu haben, hirnrissige Designkonzepte für USB-Sticks zu entwerfen. Da wäre mal der androgyne Stick fürs Schlüsselbund, den man beim anschliessen festhalten muss, weil sonst die 5 Kilogramm an Schlüsseln und Hello-Kitty-Bling-Bullshit ihn gleich wieder vom Anschluss plumpsen lassen. Was auch gerne mitten im Kopiervorgang geschieht, weshalb der Aneroxstick, wie ich ihn nenne, die unsichtbaren Daten traurig auf den Fussboden kötzelt, bevor man ihn aufliest und einen weiteren Versuch der Datenentnahme starten kann. Aneroxstick hat selbstverständlich auch ein fettes Gegenstück, den Fressstick. Den finden viele User uhmegalässig, weil er meist ein sehr handfreundliches, formauffälliges Design aufweist, das man schlecht übersehen kann. Das Verlieren eines Fresssticks ist quasi unmöglich. Unmöglich ist es jedoch auch, den Fressstick an einen USB-Anschluss anzuschliessen, ohne sämtliche benachbart-angeschlossene Peripherie vom Computer zu entfernen, weil der Fressstick macht sich gerne breit. Was auch mal dazu führt, das man den Fressstick zwar anschliessen aber dann nicht mehr draufklicken kann, weil der treuen USB-Maus temporäre Zwangsarbeitslosigkeit aufgebrummt wurde. Drum vill Liebi auch an euch, ihr mutigen USB-Stick-Designer jenseits des Mainstreams. Ihr bringt die Gesellschaft voran!

Soviel Liebi in einem einzigen Blogpost. Schlimm, oder? Finde ich auch. Also lassen wir doch das in Zukunft lieber. Aber unter uns: euch Leser mag ich natürlich schon, egal ob ihr schlecht singt oder grenzwertige Speichersticks euer eigen nennt. Drum zum Schluss noch ein vollends ehrlich gemeintes „vill Liebi“.

Und jetzt schreibt gefälligst Kommentare, tammi!

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