Wo kommen denn all die Leute her?

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Da hab ich ja nicht schlecht gestaunt in den letzten Tagen, als hier plötzlich ponyseidank tau-sen-de Besucher aufkreuzten. Ergab bei mir so einen Gesichtsausdruck, so wie, „woah!“ und „hilfe!“. Man darf sich das so vorstellen, weit aufgerissene Augen gepaart mit einem schiefen ungläubigen Grinsen. Dicht gefolgt von einem Gefühl der Scham, schliesslich sah das doch alles noch recht unfertig aus hier und man will ja dem Besucher was bieten, nid wohr.

Bis vor kurzem war dieser Blog ja einfach etwas, das ich so aus dem imaginären Hut ziehen konnte, wenn mir mal in einem der zahlreichen Gespräche über die Vorzüge meiner Person die Vorzüge meiner Person ausgingen, beispielsweise bei einem Bewerbungsgespräch: „ah und ich schriib denn imfall au so hobbymässig“ – „was schriibet sie?“ – „also, ich ha e blog“ – „und was stoht dört eso?“ – „ja so alles mögliche, so sache wo mi uufrege“ – „was regt sie uuf?“ – „äääh (jetzt bloss nichts falsches sagen, denk nach! Mann hab ich einen Hunger, hey, die Dame da drüben vom HR sieht noch hübsch aus!) äh, also jo zum Bispiil das…dr Herbscht uf sich warte loht.“
Worauf die natürlich denken, toll, jemand der sich über Jahreszeiten aufregt, so einen brauchen wir! Not.

Aber zurück zum hier und jetzt (Sonntagmorgen, 1 Uhr – soweit ists nun gekommen). Seit gestern klebt hier ein wie ich finde ansprechenderes Layout sowie eine lesbarerere Schrift, welche Euch primär daran hindern soll, wegzusurfen. Kommentare sind nach wie vor gern gesehen, Knabbergebäck bringt jeder selber mit und Getränke hats in eurem Kühlschrank.

Macht es Euch bequem und auf das die Texte ab sofort fliessen mögen. Prost!

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Ponygeflüster

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Neulich „likte“ mal wieder einer meiner Fratzenfiebel-Gspänli „Pony M“, was meine inneren Organe dazu veranlasste, sich emotional-zornesmässig zu verkrampfen. Vielleicht auch mit einer Prise Neid, aber ich hab jetzt wirklich keine Lust, in meinen Innereien rumzuwühlen, nur um dem geneigten oder aufrechtsitzenden Leser die präzise Zusammensetzung meiner Gefühlswelt aufzulisten. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt in einer der Entspannung starker Emotionen nicht zuträglichen Umgebung befand (kein Boxsack und keine kleinen Kinder mit Lollis zum wegstibitzen) kickte ich nur sachte gegen den Papierkorb zu meinen Füssen. Der Papierkorb hatte meinen Ausbruch kontrollierter Gewalt auch verdient, schliesslich beherbergte er die gestrige Ausgabe des „Migrosmagazins“ mit – genau – einem „Pony M.“-Artikel drin und offenbar weigerte sich mein Papierkorb, seine Aufgabe, nämlich das sich in ihm befindende Abfallmaterial wie alle anderen Papierkörbe dieser Welt Schlund-des-Sarlacc-mässig zu verdauen, anstandslos auszuführen. Wegen Pony M. brauch ich also einen neuen Papierkorb. Aber ich schweife ab.

Pony M., mit bürgerlichem Namen Yonni Meyer, 31 Jahre alt, weiblich und wohnhaft in Zürich (Zürich! Die zarte Haut meiner Basler Wange fühlt sich damit gleich doppelt geohrfeigt). Verdient ihren Lebensunterhalt, wenn ich dem wie bereits erwähnt unverdauten „Migrosmagazin“ Glauben schenken darf, „nun ganz mit Schreiben.“ Schön! Und meinereiner schreibt drei Jahre lang beinahe wöchentlich über unterschiedlichste Themen, leidenschaftlich! Berührend! Deprimierend (wenn mal wieder mehr als ein dass-das-Fehler drin vorkommt)! Stimulierend! Und vor allem: provokativ-zum-denken-anregend, über was auch immer. Zwar verzeichneten meine Beiträge auf rennomierten Portalen wie students.ch (Home of the Campusgirls-Kalender!) regelmässig Klicks jenseits der magischen 500er-Grenze, jedoch dümpelte mein Blog jeweils bei mageren 20 Besuchern pro Woche vor sich hin. Das frustriert. Weshalb ich nach drei Jahren beschloss, schweren Herzens das schreiben den Jüngeren und Schöneren zu überlassen.

Und eben, dann kam dieses Pony, ist gar nicht mal viel jünger und schöner und hat Erfolg. „Huere schiis Ponys!“ könnte man jetzt im Sinne des verstorbenen Hans Jucker rufen, doch ich glaubte, naiv und idealistisch wie ich bin, an die zarten Bande der Freundschaft, an das positive Credo von „gemeinsam sind wir stark“. Also schrieb ich der Yonni eine Nachricht, die ungefähr so lautete:
„Du kannst schreiben, ich kann schreiben, wir sollten zusammen ein Kind zeugen. Denk an den Pulitzerpreis! Liebe Grüsse.“
Leider blieb mein gut gemeintes und professionell formuliertes geschäftliches Angebot bis heute unbeantwortet, aus Gründen, die ich mir nicht erklären kann. Frauen halt.

Jedenfalls beschloss ich, nach dem 24. „Pony-M“-Like aus meinem Freundeskreis, mir Frau M. mal näher anzusehen, respektive ihr Profil, und auch mal tatsächlich einige ihrer Texte zu lesen. Zuerst war ich verwirrt, weil Zuckerbergs Gesichtsbuch mich auf die Seite von „my little Pony“ leitete, was vielleicht teilweise auch an meinem nervösen Klickfinger lag, aber ich gebe naturgemäss lieber millonenschweren Milliardären auf anderen Kontinenten die Schuld. That’s how I roll. Zu meiner Entrüstung stellte ich schliesslich fest, dass das Pony schreiben kann. Und gut aussieht. Und allgemein einen sympathischen Eindruck macht.

Ich hasse sie.

Moderzeit

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Ach, Herbst. Nach den ganzen Grillorgien, dem Schweiss und den Hotpants (ganz ehrlich, ich kann Hotpants mittlerweile nicht mehr sehen und ich bin selbst überrascht, das ich das schreibe) wird es nun endlich wieder Zeit für bunte fallende Blätter, Nebel, modrige Gerüche und allgemein mehr Gelassenheit. Der Sommer wird zu Grabe getragen zusammen mit all den erfüllten und unerfüllten Wünschen und Hoffnungen, die man mit ihm verband und das ist gut so. Sollen die ganzen Neuanfangsfuzzis an Silvester wieder kommen mit ihren Vorsätzen und „dieses Jahr wird alles anders“-Mantras. Bis dahin findet man sich ab mit dem Status quo, erfreut sich an den ersten beendeten Baustellen, der unaufgeregten dunklen Eleganz einer frisch geteerte Strasse und an der Rückkehr der Obdachlosen und Drögeler in den Stadtparks, die während all der schwülheissen Sommerwochen von händchenhaltenden Frischverliebten besetzt gehalten wurden.

Ach, Herbst. Noch bist du noch einige Wochen und ein medial aufgebauschtes eidgenössisches Schwingfest entfernt, aber bald, bald werden wir uns wieder innig in den Armen liegen, zusammen mit einer zusätzlichen Stunde Wochenende im Oktober.

Ach, Herbst, mon Amour. Ich freu mich auf dich

Fragen ohne Antwort

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Die wichtigste Frage gleich zuerst: wer bitte ist für dieses verphotoshopte Plakat von Hannah Herzsprungs neuem Film „Flucht aus Tibet“ verantwortlich, welches mich hier in Basel an jeder zweiten Tramhaltestelle mönchsgleich anmeditiert?

Auf der linken Seite Herzsprungs  schlecht freigestellte und hingeklatschte Gesichtspartie mit schmachtendem „Halt-mich-fest“-Blick nach rechts oben, dazu der schon lange nicht mehr exotische Papyrus-Font aus „Avatar“. Herzsprungs Kopf wird dekorativ von einer Gebetsfahne durchbohrt, so das es selbst dem gelben Flugdrachen aus „Kite-Runner“ zu bunt wird, resultierend in seiner fluchtartigen Positionierung in der oberen rechten Ecke. Im unteren Teil wurden mit der Option „Weiche Kante“ zwei-drei Filmbilder eingemusterstempelt, fehlt nur noch der wilde wettergegerbte Asiate mit kernigem Dreitagebart und fertig ist das Sülzromancover. In Deutschland, wo der Film schon Ende Mai angelaufen ist, heisst der Streifen übrigens „Wie zwischen Himmel und Erde“, offenbar werden wir von unseren deutschen Nachbarn als spannungshungrige Adrenalisten wahrgenommen, deshalb musste hierzulande das ungleich dramatischere „Flucht“ in den Titel. Fehlt eigentlich nur noch der Zusatz „Nicht ohne meine Tochter.“
Schlimm, schlimm, schlimm und ich hab aufgrund von Titel und Plakat auch wenig Lust, mir den Film anzusehen. Was ja eigentlich schade ist, denn Herzsprungs letzter Film, der Postapokalypsenspass „Hell“ des Schweizer Regisseurs Tim Fehlbaum gehörte für mich zu den grossen positiven Überraschungen *hust* nationalen *hust* Filmschaffens, nachdem der genreverwandte „Cargo“ vor zwei Jahren ein einziger prätentiöser und langweiliger Haufen Alienmist ohne Aliens war, wo es mir um die eigentlich soliden Spezialeffekte ziemlich leid tat.
Leid tut es mir auch, das mir die weniger wichtigste Frage in der Zwischenzeit entfallen ist. Aber um in eigener Sache noch was zu schreiben: ja, ich habe mir vorgenommen, meinen zuletzt sträflichst vernachlässigten Blog wieder etwas zu pflegen, auch aufgrund vielfach ungeäusserten Wunsches meines Bekanntenkreises. Noch Fragen?

„Flucht aus Tibet“ läuft ab sofort im Kino, nur halt ohne mich. „Hell“ gibts auf DVD und Blu-Ray.
„Cargo“ leider auch, sogar in 3D.

Bildquelle: http://www.imdb.de/media/rm1225241600/tt1793915

Das Ende der 20 – Jetzt erst recht!

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Nachfolgend ein intimer Erfahrungsbericht zu meinen letzten Stunden als jugendlicher Jungspund, garniert mit einem kleinen kitschigen Hoffnungsschimmer am Ende, aber manchmal braucht man sowas halt.

 

Da ist er, der letzte Tag mit einer Zwei am Rücken, und er beginnt wider Erwarten recht unspektakulös. Sogar das aufstehen aus dem wohlig-wühligen Bett klappt recht gut, trotz der unchristlichen Uhrzeit, aber erfreulicherweise scheint draussen schon die Sonne. Ein absichtlich kurzer Blick in den Spiegel lässt mich erleichtert aufatmen. Ja, das sieht immer noch annehmbar aus und nein, ich persönlich würde mich nicht auf hart Ende Zwanzig schätzen, mehr so mittig halt. Trotzdem wage ich es nicht, das Licht anzumachen und stürze mich lieber auf einen gepflegten Teller Knuspermüesli. Soll ja schlecht sein für die Libido, sagt der Blick*, aber das jodelt mir um diese Uhrzeit grad gepflegt am Hinterteil vorbei. Ausserdem bin ich etwas spät dran, also ab in die Klamotten und raus an die frühfrühlingshafte Kälte.

An der Tramstation macht sich der ÖV einen Spass daraus, mir vor der alternden Visage wegzudüsen, also warte ich bibberige 8 Minuten auf das nächste 10er Tram, welches ich schliesslich zusammen mit dem Wanderuusflugsausschuss des örtlichen Frauenvereins besteige. Ich schnappe mir den letzten übrig gebliebenden Zweisitzer und freue mich nur begrenzt darüber, dass sich sogleich eine dezent muffelnde ältere Dame neben mich kuschelt, die wohl heute morgen kein Müesli gegessen hat. Folglich mache ich mich möglichst klein und gehe auf Tuchfühlung mit der kalten aber immerhin geruchsneutralen Tramwand. Die Pendlerbibel 20 Minuten warnt mich einige Augenblicke später vor der radioaktiven Wolke aus Japan, welche heute die Schweiz überqueren soll. Voll die Panikmacherei. Und sie scheint auch zu wirken, denn warum sonst lese ich beim gegenüberliegenden Blick-Am-Abend Werbeplakat „Reaktor für einen Tag“ statt  „Redaktor für einen Tag“?

Frisch aus dem Tram gehüpft ertappe ich mich bei meinem neuen Ritual, das darin besteht, in Gedanken mein Bürogebäude explodieren zu lassen. So mehrstufig, erstmal die oberen Etagen und dann stakkatomässig nach unten Rattatatabumm-bumm-badabumm. Bei einer möglichst effektvollen Sprengung wäre ich mittlerweile der Experte, aber leider existiert zu so einem sicherlich sehr befriedigenden Beruf noch kein ensprechender Lehrgang. Oder er wird vor mir geheimgehalten, weil ich einfach zu gut wäre darin. Ich seufze und betrete den Eingang mit einer Drehtüre, die sich wie immer asynchron disharmonisch zu meinem Schrittempo in Bewegung setzt, weshalb ich immer kurz innehalten muss, um nicht in eine der lustig drehenden Scheiben zu laufen. Auf jeder dieser Scheiben klebt noch breit und fett ein Anti-Baby und Anti-Hund Warnsticker, die dürfen hier anscheinend nicht rein, die Glücklichen. Ich nehme mir vor, im nächsten Leben bei der Wahl des Organismus mit mehr Weitblick und Bedacht vorzugehen.

Meine Laune bessert sich erst bei einem spontanen Entscheid (trotz meines Alters noch jung! dynamisch!) im Foyer: Um der schleichenden osteoporisierung meiner Knochen vorzubeugen nehme ich heute ausnahmsweise nicht den Lift, sondern die Treppe. Und tatsächlich: es klappt noch ganz gut mit dem Aufstieg, fast asthmaanfallsfrei komme ich im ersten Stock an. Erfolgstrunken erwäge ich die Teilnahme am „Tower Run“, dem Treppenmarathon im Basler Messeturm, dem höchsten Gebäude der Schweiz. Langsam sehe ich auch mein morgiges rundes Wiegenfest in einem neuen Licht: wäre das nicht auch die Chance auf einen Neuanfang, die Gelegenheit, all die über die Jahre aufgeschobenen Träume und Wünsche endlich in die Tat umzusetzen? Sich ein Sixpack anfuttern! Einen Baum pflanzen! Herr Pascal Merz aus Sursee ein Leserbriefverbot erteilen! Mehr Blogbeiträge schreiben! Weniger Müesli essen! Eine Staffel „24“ an einem Stück ansehen!

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht starte ich meinen Tag im Büro. Ja, ich habe noch Ziele und Perspektiven im Leben, zunehmender körperlicher Verfall zum Trotz.  30, bring it on!

* http://www.blick.ch/life/essenundtrinken/aus-der-kueche-ins-schlafzimmer-100-sex-168940

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mib blogt über Dieses und vor allem Jenes, wann immer es ihm gerade in den Kram passt. Zu finden unter https://mib1981.wordpress.com/, http://www.students.ch/ oder auf seinem facebook-profil. Er freut sich über jeden Kommentar und oder Nachricht und beantwortet diese falls gewünscht meistens freundlich.

Weniger ist mehr

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Liebe Leser und Lesereusen

Meine neue Art der Lebensführung in Form von ausschweifenden groupielastigen und drogengeschwängerten Parties (nicht zu verwechseln mit groupiegeschwängerten und drogenlastigen Parties) verbietet es mir leider momentan, meinen Blog in gebührender und lesergerechter Weise zu führen. Dazu kommt noch der neue Job, damit verbundene Pendlerei sowie der Haushalt, ach, der Haushalt. Ich kann jedoch versprechen, dass sich diese unselige Blogunlust demnächst legen wird. In spätestens einem Monat oder so. Trotzdem: hier noch ein kleines Beiträgelchen, aus aktuellem Anlass, wie man so schön sagt.

Weitsichtig. Nachhaltig. Proaktiv. Die Worthülsen schlagen wieder zu und sie werden einem heuer von jeder sonst so unscheinbaren Strassenlampe entgegengeschmettert. Und ist mal keine Strassenlampe da oder der Abstand von einer zur nächsten grösser als fünf Meter, werden eiligst zusätzliche Werbeflächen mittels Holzschildern in den Boden gestampft. Manchmal ist das erheiternd, wenn beispielsweise Urs Wüthrichs offensichtlich gebleichte Beisserchen intensiv („im Spannungsfeld!“) mit der durch einen Druckerfehler ins schinkenähnliche verschobenen Gesichtsfarbe kontrastiert. Oder auch mal geschmacklos, wenn so kurz nach der Waffenschutzinitiative die Plakate schiessbudenfigurengleich („lösungsorientiert!“) auf einer Hügelkuppe platziert werden und sich vorbeituckernde Autofahrer wie ich instinktiv unter das Armaturenbrett werfen, aus Angst, versehentlich ins Übungsgelände des örtlichen Schützenvereins gelangt zu sein. Kurz: es stehen wieder Wahlen an im kantönligen Schweizer(basel)ländle. Und das noch gleichzeitig mit der Fasnacht. Das kann nicht gut gehen.

Die Frage ist die: interessiert sich überhaupt jemand für die anstehenden Wahlen? Bei einer Podiumsdiskussion mit den prominenten Kandidaten anfangs Woche in Liestal fanden gerade mal an die 50 Leute Zeit und Musse zu einer Teilnahme. Man erklärte sich das mit dem Termin, den heutzutage vielfältigen Informationsmöglichkeiten und dass das „Event“ auch live im Radio zu hören war. Denn die Bevölkerung sei nämlich schon politisch interessiert. Man kann ja schlecht sagen, dass sie es eben nicht sind, sonst würde man potentielle Wähler vor den Kopf stossen. Wäre aber auch möglich, das man zwar schon interessiert ist, aber auch übersättigt? Vielleicht sogar ein wenig angewidert? Und das wäre kein Wunder bei dem momentanen Überfluss an Wahlpropaganda.

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mib blogt über Dieses und vor allem Jenes, wann immer es ihm gerade in den Kram passt. Zu finden unter http:mib1981.wordpress.com/, http://www.students.ch/ oder auf seinem facebook-profil. Er freut sich über jeden Kommentar und oder Nachricht und beantwortet diese falls gewünscht meistens freundlich.//

I’m lovin‘ it

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Vor einigen Tagen hat eine Kollegin von mir auf ihrem Blog ziemlich lauthals gegen McDonalds gewettert. Fazit des emotional aufgeladenen Texts: Der Fastfoodriese, dort despektierlich mit „McDoof“ benamst, unterstützt zwar mit seinem eigenen Hilfswerk kleine Kinder in Not, ist im Hintergrund aber auch verantwortlich für, gelinde gesagt, unartgerechte Tierhaltung. Ich gebe zu, ich war ein wenig genervt, weniger ob der unumstrittenen Tatsache, das in Sachen artgerechter Nutztierhaltung hierzulande und anderswo erst Recht noch einiges getan werden muss, sondern viel mehr ob der wenig differenzierten Ansicht, das die bei McDo‘ alles tierschändende geldgeile Saukerle sind.

Ich habe darauf einen polemischen und einen zweiten meiner Ansicht nach etwas sachlicheren Kommentar verfasst und dachte, damit sei die Sache, pardon, gegessen. Offenbar habe ich aber einen Nerv getroffen, denn um halb Mitternacht erreichte mich via Facebook eine dezent unfreundlich formulierte Nachricht eben dieser Kollegin, worin sie mich dezent geisselt, das es Themen gäbe, wo der Spass aufhöre und meine Gleichgültigkeit zu eben diesem Thema stosse bei ihr dezent auf Unverständnis. Spätestens hier wurde mir bewusst, das offenbar selbst mein etwas sachlicherer Kommentar dezent falsch verstanden wurde, weshalb ich nun beschlossen habe, meinen Standpunkt hier dezent öffentlich mit fehlerhafter Rechtschreibung und mäandernden Satzungetümen ausführlich darzulegen.

Ich liebe Tiere. Wirklich. Ich habe geweint, als King Kong starb. Und ich habe die Schockreportagen mit gemästeten, kastrierten und himmeltraurig zugerichteten Tieren, die dann und wann ihren Weg in eine Newssendung finden, auch gesehen und sie machen mich jeweils stinksauer, dicht gefolgt von einem Gefühl der Ohnmacht. Denn ich kann herzlich wenig dagegen tun, die Bilder stammen so gut wie nie von Herrn Hubers Bauernhof um die Ecke, selten aus dem näheren, des öfteren aus dem ferneren Ausland. Sicher ist auch hierzulande nicht jeder Bauernbetrieb ein Musterbeispiel in Sachen Tierhaltung, aber genausowenig ist ausnahmslos jeder Zulieferer von Chicken McNuggets ein Hühner-KZ.

Es gibt sie eben nicht, die „böse Firma“. Leider, muss man sagen, denn wäre so nicht alles einfacher auf der Welt? Speziell McDo‘ muss laufend herhalten für alles Übel, die Marke steht für die pure Amerikanisierung, für Globalisierung, für ungesundes Essen, für rücksichtslosen Kapitalismus und für industrialisierte Fleischverarbeitung. Im Ernst, mir tun die Mitarbeiter und speziell die Marketingabteilung, die ihre Marke laufend neu erfinden und positionieren müssen, mittlerweile richtig Leid. Zumal McDonalds Schweiz nichts damit zu tun hat, wie die in Amerika ihre Rinderhaltung handhaben. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung gibt es halt nur EINE Firma und die hat genau EINE zentrale Zulieferstelle und die sitzt irgendwo im Lande Mordor, wo die Schatten droh’n, und da sitzt genau im höchsten Turm ein fettleibiger, kubanische Zigarren paffender Dr. Evil, der frühmorgens mit seiner doppelstöckigen Limousine kleine Kätzchen überfährt. Ach. Bitte.

Vielleicht bin ich ein wenig naiv, aber ich glaube, die meisten Bauernbetriebe, ob Mc-Zulieferer oder nicht, bemühen sich um eine artgerechte Nutztierhaltung. Sofern es ihnen finanziell möglich ist. Wenn es nach mir ginge, würde sowieso jede Kuh das beste Gras, jedes Huhn die besten Körner und jedes Schwein das beste..äh..Tiermehl bekommen. Bis es soweit ist, können wir, und da gehe ich mit meiner Kollegin voll und ganz einig, unseren Fleischkonsum auf ein vernünftiges Mass reduzieren und vor allem lokale Erzeugnisse unterstützen. Ab und zu ein wenig Fast Food liegt aber durchaus drin.

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mib blogt über Dieses und vor allem Jenes, wann immer es ihm gerade in den Kram passt, macht jetzt aber erst Mal ein-zwei Wochen Ferien. Zu finden unter https://mib1981.wordpress.com/http://www.students.ch/ oder auf seinem facebook-profil. Er freut sich über jeden Kommentar und oder Nachricht und beantwortet diese falls gewünscht meistens freundlich.