Hybris

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snowman6Ich nerve mich. Und wenn ich mich nerve, führt das unweigerlich zu einem neuen Text. Da ich in letzter Zeit nicht so viel geschrieben habe, spricht wohl für meinen aktuellen Nervenhaushalt. Aber jetzt nerve ich mich. Und darum gibts jetzt diesen Text. Weil ich mich nerve, und zwar ab all den Leuten, die sich momentan auf Frühling und Sommer freuen. Nicht falsch verstehen, ich freu mich ja auch, irgendwie. So zur Hälfte. Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust, um mal gleich im ersten Abschnitt Goethe zu zitieren, respektive seine Faust. Aber genug der Literatur für heute, jetzt gehts hier weiter mit meinem Text.

Ihr freut euch also auf den Sommer. Wohlverstanden ohne das wir uns hier im beinahe-Flachland in den letzten fünf Monaten überhaupt auch nur an einem Flöckelchen Schnee erfreuen durften. Trotzdem wird eifrig Fasnacht gefeiert und der Winter vertrieben. Breaking News, Altä: Er war gar nie hier, der Winter! Nun freut man sich offenbar aufs deutsche Grillen oder schweizerische Grillieren (beides wird mir im September zum Hals raushängen, sag ich euch), aufs allgemeine draussen essen (lauter rumschwirrende Viecher inklusive, yay) und aufs schlafen bei offenem Fenster (lauter rumsummende Viecher inklusive, yay). Wobei die Viecher ja jetzt schon da sind, wie ich bei einer neulichen abendlichen Lüftungsaktion in meiner hell erleuchteten Wohnung feststellen durfte. Die drei Falter schwirren vermutlich jetzt noch rum und machen sich über meine gesammelten Chips- und Schwippschwappvorräte her, weil ich zum Zeitpunkt der Falterinvasion in völliger Schockstarre über die Tatsache verharrte, das im tiefsten März hierzulande überhaupt irgendetwas herumfliegen kann.

Denn das wirklich schöne am Winter ist es doch, an einem grauen Samstagnachmittag im beheizten Wohnzimmer zu sitzen und nach draussen in die verschneite Landschaft zu blicken und…nichts zu sehen. Absolutreingar…NICHTS. Weil alle Nicht-Haustiere entweder ins Sommer- bzw. Dschungelcamp ausgeflogen sind oder fleissig winterschlafen, begraben unter einem weissen Leichentuch. Und man lehnt sich zurück mit einer heissen Tasse Earl Grey Lime-Tee, zufrieden mit sich und der Welt, denn man weiss: heute verpasst man überhaupt nichts. Das löst ein Gefühl der Gelassenheit, der Langeweile aber auch der Ruhe aus, was man zugegebenermassen auch täglich beim Abendprogramm auf SRF verspüren kann.

Aber ich seh schon, ich stehe mit meinen Gefühlen für den Winter völlig alleine da, während alle Welt um mich herum sich auf Grillwürste, laue Sommernächte, die Fussball-WM, kühles Bier, Ferien und junge Frauen in Bikinis freut. Und dummerweise fällt mir bei dieser Aufzählung auf, das ich das auch tue. Was mir irgendwie die Luft aus den metaphorischen Segeln nimmt, denn ich wollte doch erhellende Einblicke bieten, neue Ansichten auf den casus humanus darlegen und diese mit meiner persönlichen Hybris verknüpfen.

Ein andermal vielleicht, ich muss jetzt raus, die Sonne geniessen.

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