Pro Internet

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Beim samstäglichen Einkaufen kann man sich herrlich aufregen. Sei es über die vielen älteren Semester, die postpensionär ihre Komissionen selbstverständlich am Samstagvormittag tätigen und bei der Kasse „mit Münz“ bezahlen, sei es über die glücklichen jungen Paare, die mir schon deshalb auf die Eier gehen, weil sie glückliche junge Paare sind. Wovor es mir aber wirklich graut zur Zeit ist das frühere Einkaufszentrum meiner Wahl. Ich schreibe absichtlich „frühere“ weil es momentan kein Spass mehr ist, dort einzukaufen. Wobei einkaufen ja selten ein Spass ist, aber jetzt ist es halt gar kein Spass. Zero. Weil dort nämlich umgebaut wurde. Die Konkurrenz hatte ein Jahr davor eine Strasse weiter einen fussballfeldgrossen Riesenkonsumtempel hingestellt, wo man eigentlich nur hingehen sollte, wenn man mal Lust drauf hat, einige Stunden ziellos durch bunte Regalschluchten zu wandern und dann mit allem möglichen Zeug rauszukommen ausser dem, was man ursprünglich kaufen wollte. 

Nun zog das frühere Einkaufszentrum meiner Wahl gleich, musste raumtechnisch aber Kompromisse eingehen. Trotzdem kann man dort nun auch wie bei der Konkurrenz herrlich stundenlang umherirren und nach allem möglichen Zeug suchen, weil die Regalanordnung und -befüllung mit einem herzhaften Schuss Unlogik geplant wurde. Weil es dem Kunden ja einen Riesenspass bereitet, mit vollen Einkaufstaschen von A nach B zu torkeln und dabei, Adventszeit sei Dank, von einem lustig bimmelnden Samichlaus verfolgt zu werden, der sich ein besserwisserisches „Hättet sie halt es wägeli müesse näh, denn tuets nochhär nid e so weh in de Ärm! Ho-ho-ho!“-Bonmot nicht verkneifen kann. ICH HOLE DIR GLEICH EIN WÄGELI, UND ZWAR EIN GELBES!

In der Elektronikabteilung hatte ich den bärtigen Besserwisser endlich abgehängt und durfte mich an der Riege ahnungsloser Eltern erfreuen, die ihren Kindern „dieses Computerspiel“ kaufen wollen, „wo man sich bewegen muss“. Nach dieser mit beispielhafter Abwesenheit jeglicher wissenschaftlicher Präzision geäusserten Formulierung sind die beiden dann einigermassen schockiert über den Preis von Spielkonsole plus Bewegungssensor und hängen noch die Frage an „300 Franken? Und da kann man dann nur so tanzen damit?“ und da entdeckte ich glücklicherweise auch schon eine freie Kasse und entfernte mich schleunigst vom Ort der Negativ-Medienkompetenz. Man stellt halt offenbar auch heute noch dem Verkaufspersonal lieber dumme Fragen, als sich mal kurz vorher zehn Minuten der Internetrecherche über die Hobbies des Nachwuchses zu widmen. 

Apropos Internet: mal sehen, was diese Onlineshops von Coop und Migros so taugen. Weil, ich weiss nicht, ob ich mir die offline-Nahrungsmittelbeschaffung in meinem Alter noch jeden Samstag antun will. Und kann.

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