Ponygeflüster

Standard

Neulich „likte“ mal wieder einer meiner Fratzenfiebel-Gspänli „Pony M“, was meine inneren Organe dazu veranlasste, sich emotional-zornesmässig zu verkrampfen. Vielleicht auch mit einer Prise Neid, aber ich hab jetzt wirklich keine Lust, in meinen Innereien rumzuwühlen, nur um dem geneigten oder aufrechtsitzenden Leser die präzise Zusammensetzung meiner Gefühlswelt aufzulisten. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt in einer der Entspannung starker Emotionen nicht zuträglichen Umgebung befand (kein Boxsack und keine kleinen Kinder mit Lollis zum wegstibitzen) kickte ich nur sachte gegen den Papierkorb zu meinen Füssen. Der Papierkorb hatte meinen Ausbruch kontrollierter Gewalt auch verdient, schliesslich beherbergte er die gestrige Ausgabe des „Migrosmagazins“ mit – genau – einem „Pony M.“-Artikel drin und offenbar weigerte sich mein Papierkorb, seine Aufgabe, nämlich das sich in ihm befindende Abfallmaterial wie alle anderen Papierkörbe dieser Welt Schlund-des-Sarlacc-mässig zu verdauen, anstandslos auszuführen. Wegen Pony M. brauch ich also einen neuen Papierkorb. Aber ich schweife ab.

Pony M., mit bürgerlichem Namen Yonni Meyer, 31 Jahre alt, weiblich und wohnhaft in Zürich (Zürich! Die zarte Haut meiner Basler Wange fühlt sich damit gleich doppelt geohrfeigt). Verdient ihren Lebensunterhalt, wenn ich dem wie bereits erwähnt unverdauten „Migrosmagazin“ Glauben schenken darf, „nun ganz mit Schreiben.“ Schön! Und meinereiner schreibt drei Jahre lang beinahe wöchentlich über unterschiedlichste Themen, leidenschaftlich! Berührend! Deprimierend (wenn mal wieder mehr als ein dass-das-Fehler drin vorkommt)! Stimulierend! Und vor allem: provokativ-zum-denken-anregend, über was auch immer. Zwar verzeichneten meine Beiträge auf rennomierten Portalen wie students.ch (Home of the Campusgirls-Kalender!) regelmässig Klicks jenseits der magischen 500er-Grenze, jedoch dümpelte mein Blog jeweils bei mageren 20 Besuchern pro Woche vor sich hin. Das frustriert. Weshalb ich nach drei Jahren beschloss, schweren Herzens das schreiben den Jüngeren und Schöneren zu überlassen.

Und eben, dann kam dieses Pony, ist gar nicht mal viel jünger und schöner und hat Erfolg. „Huere schiis Ponys!“ könnte man jetzt im Sinne des verstorbenen Hans Jucker rufen, doch ich glaubte, naiv und idealistisch wie ich bin, an die zarten Bande der Freundschaft, an das positive Credo von „gemeinsam sind wir stark“. Also schrieb ich der Yonni eine Nachricht, die ungefähr so lautete:
„Du kannst schreiben, ich kann schreiben, wir sollten zusammen ein Kind zeugen. Denk an den Pulitzerpreis! Liebe Grüsse.“
Leider blieb mein gut gemeintes und professionell formuliertes geschäftliches Angebot bis heute unbeantwortet, aus Gründen, die ich mir nicht erklären kann. Frauen halt.

Jedenfalls beschloss ich, nach dem 24. „Pony-M“-Like aus meinem Freundeskreis, mir Frau M. mal näher anzusehen, respektive ihr Profil, und auch mal tatsächlich einige ihrer Texte zu lesen. Zuerst war ich verwirrt, weil Zuckerbergs Gesichtsbuch mich auf die Seite von „my little Pony“ leitete, was vielleicht teilweise auch an meinem nervösen Klickfinger lag, aber ich gebe naturgemäss lieber millonenschweren Milliardären auf anderen Kontinenten die Schuld. That’s how I roll. Zu meiner Entrüstung stellte ich schliesslich fest, dass das Pony schreiben kann. Und gut aussieht. Und allgemein einen sympathischen Eindruck macht.

Ich hasse sie.

Advertisements

14 Gedanken zu “Ponygeflüster

  1. Hab ich keinen

    lieber, ääm wie war noch mal dein name?

    ah jetzt, lieber mischa, es tut mir leid das deine inneren organe einen salat bilden wegen eines ponys. aber versetze dich mal in die lage deines mülleimers. der arme tropf muss das m-magazin beherbergen obwohl das gar nicht dort rein gehört, sondern ins altpapier. und dann bekommt der arme noch tritte von dir. hei, sei etwas netter zu ihm. bitte. immerhin beherbergt er allen möglichen müll von dir….
    ich finde du solltest deinen „gischterchübel“ mal ein dank aussprechen.

  2. Rajaluna

    Dank Migros Magazin bei Pony gelandet (hatte wohl schon davon gehört mich aber nicht dafür gehabt das ‚Modephänomen‘ genauer anzusehen…) und nun über Pony bei dir zum Lachen angeregt worden!
    Freu dich! Das sind die klassischen ‚Mitreiter des Erfolgs‘! Dank Migrosmagazin, das bei dir so schnöde verschmäht wurde, hast du sicher einige Leser für deinen Blog gefunden. 😉 Freu mich weitere Blogs zu lesen! Sei lieb gegrüsst

  3. Holy-moly, ganze vier Kommentare 🙂 Besser als Weihnachten hier. Erstens kann ich beruhigen, dem Papierkorb geht es gut, und in ihm befindet sich wirklich nur Papier, welches Ende Monat fachgerecht und gesetzeskonform gebündelt wird. Versprochen.
    Zweitens hat dieses-dieser-das Blog nun doch ein paar Besucher mehr, weshalb ich hier wohl neu tapezieren muss. Man will ja was bieten. Ich suche mir bald mal ein paar schöne heftig blinkende Pop-Up-Werbefenster aus, um das viele Weiss etwas zu übertünchen…

  4. möndli

    Bin wie rajalina übers Pony bei Dir gelandet. Schreiben könntest Du, aber auf Facebook gibt’s halt einfach mehr interaktion, liken, Kommentare, geht alles viel einfacher. Mach doch auch den Blog auf Fb, vielleicht würde dir das mehr likes bringen?

    • Du hast ja Recht! Deswegen hat mich ja das Pony so frustriert! Genial wie die darauf gekommen ist, das gleich über FB zu tun! Warum war das nicht meine Idee! Warum? grmmmlgr.

  5. Nun In kurzer Zeit so eine Fangemeinschaft zu bilden schafft nicht jeder. Es mag sein dass du deinen Blog schon seit 3 Jahren führst, Aber wirklich fleissig hast du hier auf dieser Seit auch nicht geschrieben. Ich hab auch einen Blog und am Anfang hat mein Krokodil ganz viel geschrieben- die Besucherzahlen waren ganz ok für das was ich erreichen wollte. In letzter Zeit hatte ich nie mehr so wirklich die Lust dazu.
    Aber je mehr ich geschrieben habe, desto höher wurden meine Klicks auf mein Blog.
    Also los, los lass mehr von Dir hier hören 🙂

    • Also ich muss zu meiner Verteidigung sagen, das ich von 2009 bis 2011 deutlich mehr gebloggt habe UND DANN BRACH ICH EIN! Zukünftige Kinder, 100% Job, Fingernägel- und Hautpflege, sowas braucht Zeit!

      Aber im Ernst, die vielen Besucher jetzt motivieren natürlich ungemein, die Textproduktionsfrequenz empfindlich zu steigern. Ich beschränke mich mal vorerst nobel und bescheiden auf einen Text pro Woche. 🙂

    • Wie alle Models dieser Welt nutze ich mein gutes Aussehen dafür, mit meinen Worten, meinen Gedanken und meiner Botschaft die Menschen wachzurütteln!

      Und verdammt nochmal, jetzt bin ich rot geworden. Danke.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s