Ivan, das schwarze Schaf

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Jeder hat es insgeheim im Vorfeld vermutet, aber am Ende waren doch alle überrascht: die Ausschaffunsinitiative krimineller Ausländer wurde angenommen, der gemässigtere Gegenvorschlag abgeschmettert. Die Empörung auf links-alternativer Seite war gross, Rufe und Parolen wie „Nieder mit dem Fascho-Staat“ wurden in der darauffolgenden kristallklaren Nacht noch durch Bern und Zürich geschleift, dramaturgisch wirksam garniert mit dem einen oder anderen eingeschlagenen Schaufenster. Es ist es ja schliesslich schon lange kein Geheimnis mehr, das alle Ladenbesitzer durchs Band rechts-bürgerlich wählen.

Nein, die Abstimmungsresultate waren nicht in meinem Sinne. Aber wenn man nun zu hören und lesen bekommt, mit welcher Naivität hochrangige Mitglieder der SP die Niederlage ihrer Partei kommentieren, übersteigt das den Fremdschämfaktor von „Bauer ledig sucht“ und „Kampf der Chöre“ um ein vielfaches. So schreibt beispielsweise der Präsident der Berner SP, Roland Näf, auf seinem Facebook-Profil:

„Mehr Gerechtigkeit bei den Steuern ist mit Millionen gebodigt worden. Die Superreichen haben sich mit Unsummen durchgesetzt: Demokratie ist käuflich, das macht mir Sorgen. Das Gleiche ist der SVP mit Blochers Millionen gelungen. Viel Geld wurde für das Ja zur Ausschaffungsinitiative bezahlt, mindestens 30 Mal mehr als die GegnerInnen zur Verfügung hatten.“

Schliesslich besteht die Riege der SP-Parteispitze ja nur aus armen Schluckern aus den Berner Favelas, während die bösen Blochers von der SVP sich von der Zürcher Goldküste den dicken Kapitalistenwanst vollschlagen. Dass die SP-Plakate zur Steuerinitiative und Anti-Ausschaffung an optischer Lahmarschigkeit nicht zu übertreffen waren, auf die Idee kommt offenbar niemand. An das Bild des „schwarzen Schafs“ oder von „Ivan S., dem eingeschweizerten Vergewaltiger“ erinnert sich, so peinlich und simpel sie in ihrer Plakativität auch sein mögen, jeder. Die Motive sind sogar so einprägsam, dass selbst die vermummten Demonstranten am letzten Sonntagabend in abgewandelt-parodierter Form auf sie zurückgreifen mussten.

Natürlich spielt, und davon bin ich überzeugt, die Wahl des Plakatmotivs beim demokratischen Entscheid von Herrn und Frau Schweizer nur eine nebensächliche Rolle. Das die Partei mit dem lustigen Sünneli es meisterhaft versteht, die Sorgen und Ängste des konservativeren Teils der Bevölkerung zu instrumentalisieren, trifft allerdings zu. Geld spielt dabei aber eine höchst nebensächliche Rolle.

Vielleicht zeigt sich im Abstimmungsresultat aber auch das Bedürfnis der Bevölkerung nach mehr Verständnis und Kommunikation. Schliesslich werden auch in Zukunft Gewaltdelikte aller Art die Nation heimsuchen, aber zumindest versteht man als Opfer nun eher die Beleidigungen, die einem der gute schweizer Kriminelle dabei an den Kopf wirft.

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mib blogt wöchentlich über Dieses und vor allem Jenes. Jeweils mittwochs, diesmal ein wenig früher. Zu finden unter https://mib1981.wordpress.com/http://www.students.ch/ oder auf seinem facebook-profil.Er freut sich über jeden Kommentar und oder Nachricht und antwortet darauf  falls gewünscht meistens freundlich.


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