Bla Bla BLA!

Standard

Dieser Blog will manchmal auch mehr sein als nur schnöder Text, so ist er doch nicht selten auch Lebenshilfe, Allegorie auf das menschliche Streben nach Vollkommenheit und Katharsis. So auch dieses Mal. Beginnen wir doch mit einem einfachen, klaren und aussagekräftigen Satz:

„Samstags mit dem Zug zu fahren von Basel nach Zürich mit einem MP-3 Player, dessen Akku leer ist, hat nichts mit Vergnügen zu tun.“

Wie kommt der Autor zu dieser ungeheuerlichen Behauptung? Nur Geduld, er möchte diese nun gerne mit einem kleinen Erlebnisbericht untermauern.

Samstag, im September 2010, Bahnhof Basel, Gleis 9. Die Franzosen haben es nicht so mit der Pünktlichkeit, weshalb der Teeschewee fünf Minuten nach geplanter Abfahrtszeit immer noch keine Anstalten macht, seinen glänzenden metallenen Hintern in Bewegung zu setzen. Der Autor setzt sich mangels Alternativen in ein Viersitzerabteil, neben ein älteres Ehepaar, natürlich nicht, ohne vorher freundlich und typisch schweizerisch rethorisch zu fragen: „Isch do no frei?“. Es isch. Ich fläze mich in den Sitz neben dem Gang, hats halt diesmal nicht sollen reichen fürs Fenster. Ich frage mich schon zum zweiten Mal, weshalb wir noch stillstehen, als ein zweites Rentnerpaar, aber mit Kinder-Anhang das Abteil betritt. Es folgt eine dialogmässig aufbereitete, leicht gekürzte Chronologie der Ereignisse:

Omi: „Dasch jetzt abr e nätte Zug, dä hett extra no uf uns gwaartet, dä hät nämlich scho längschtens sötte abfahre“

Enkelin: „Hättemr sunscht lang müesse warte?“

Opi: „Nei, nur zäh Minute, das isch nid lang.“

(Zug setzt sich endlich in Bewegung)

Omi: „Jä Silas, wieso hesch du denn so ne schöne neue Pulli? Hesch doch gar nid Geburtstag gha.“

Enkel: (leise, nuschelnd) „Ich han d’Brootrinde gässe“

Omi: „Sicher? Du hesch d’Brootrinde gässe? Das hesch du aber guet g’macht!“

(In dem Moment regt sich in mir das Bedürfniss nach musikalischer, möglichst lauter Berieselung, weshalb ich instinktiv in meine Tasche greife und meinen MP3-Player mit, wie ich gleich feststellen muss, leerem Akku herauspfriemle.)

Omi: „Jä und du, Lisa. Wie laufts in dr Schuel?“

Enkelin: „Guet, ich chan jetzt wiiter zälle als bis 100.“

Omi: „Siiicher? Ja denn händ dir aber scho viel gmacht! Lueg, jetzt simmer scho in Lieschtl, da wohnt dr Peter. Mr gönd jetzt aber nid zum Peter, mr gönd uf Züri.“

Enkel: „Scho z’Lieschtl? Dä isch aber schnäll dä Zug. Wie schnäll isch denn dä?“

Opi: „Sehr schnäll. Und är haltet nümme ah bis mr am Ziel sind. Händr e chli Schoggi wellä?“

Beide „jaaaaaaa.“

Enkel: „uh die isch aber schön chalt. Hesch du en chüelschrank do inne?“

Opi: „nei, aber sie isch grad nebe dr Thermosfläsche gsi, woni chalte Tee drin ha. Wänn dr chalte Tee ha?

Beide: „jaaaaaa“

Enkeline: „Oh, en Tunnel! (fängt an zu zählen) 1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13…..

35,36,37 ich chan au no uf bäärndüütsch! Eis, zwöiiiii, drüüüüü, viieeeer…drüüedriissig, vierädriiissig oh, fertig.“

Enkel: „Isch Züri dänn no in dr Schwiz?“

(Hätte das Grosi auch nur ein wenig Rückgrat und Verantwortung besessen, hätte sie an dieser Stelle wahrheitsgemäss geantwortet, dass diese Frage selbst unter Experten höchst umstritten ist, doch die kleine kam ihr zuvor.)

Enkeline: „Ja sicher! Du bisch halt no nie us der Schwiz dusse gsi, ich bi scho mitem Mami z’Dütschland im dütsche gsi!“

So geht es weiter. Und weiter. Und dann noch weiter. Bei jeder zweiten Ortschaft wohnt irgendein Heinz oder Hannes und jedesmal fragt einer der kleinen Zweikäsehochs, wieviele Stationen es denn noch sind und wann wir endlich da wären. Für einen Zug, der von A nach B fährt und dazwischen nie stoppt latschen auch auffallend viele Passagiere den Gang rauf und runter, all fünf Minuten mindestens einmal und zwingen mich zum einziehen meiner Riesenbeine. Immerhin komme ich nur mit geringer Verspätung in Zürich und meine Berndeutschen Zählfertigkeiten wurden drastisch erhöht.

Abends dann, auf der Rückfahrt, sitzt hinter mir eine Verehrerin verhiphopter, aus einem quäkenden Handyspeaker konsumierter Oldiesongs und neben mir ein älterer Mann, der entdeckt hat, dass sein Smartphone auch über andere Ringtöne als den Swisscom-Jingle verfügt.

Ich stelle überrascht fest, dass ich Grosi, Opi und Enkel von der Hinfahrt zutiefst vermisse.

———————————————————-

mib bloggt wöchentlich über Dieses und vor allem Jenes. Jeweils mittwochs, sonst halt später. Zu finden unter mib1981.wordpress.com, www.students.choder auf seinem facebook-profil. Er freut sich über jeden Kommentar und oder Nachricht und beantwortet diese falls gewünscht meistens freundlich.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s