Warum ich nachts auch im dunkeln schlafen kann.

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Buh!Ich bin ein relativ furchtloser Mensch und ich leide ausgesprochen schwer darunter. Meinen letzten Alptraum hatte ich zu der Zeit, als ich gelernt habe, wie man Albtraum richtig schreibt, das war so ungefähr mit 12 Jahren und ich weiss nicht mehr, von was ich mich da gefürchtet habe, es war aber sicher nicht davor, vor versammelter Menschenmenge in Unterhosen dazustehen.

Leider kann ich die Horrorfilme, welche mir echtes Unbehagen bereitet haben, an einer Hand abzählen. „Shining“ von Stanley Kubrick zum Beispiel. Oder Gore Verbinskis „The Ring“. Vielleicht noch die Ami-Version von „The Grudge“. Und dann wäre da noch „Blair Witch Project“. Letzterer war ja ein eigentlicher Trendsetter für das Untergenre des sogenannten „Handycam-Horrors“. Klingt jetzt unglaublich fachmännisch, aber ich hab den Begriff einfach mal soeben erfunden, ich finde, er passt.

Jedenfalls habe ich mir letztens voller Hoffnung, vorm Fernseher mal wieder Windeln tragen zu dürfen, „Paranormal Activity“ angesehen. Hat laut Packungstext anscheinend hunderte zum panikartigen Verlassen des Kinosaals gebracht. Das gabs zuletzt nur bei „Mamma Mia“, meine Erwartungen sind dementsprechend gross. Also, Licht aus, Anlage aufgedreht, Film ab!

—-SPOILERS AHEAD—–(wollte ich immer schon mal schreiben)

Als erstes klatschen mir die Produzenten die übliche Textzeile aufs Auge, die mir vorgaukeln soll, man hätte die folgenden Aufnahmen irgendwo unterm Bett von Onkel Maximilian gefunden. Instinktiv will ich panikartig aus dem Wohnzimmer rennen, aber mein Sitzsack ist einfach zu bequem. Also weiter.

Ich lerne Micah und Katie kennen. Micah hat sich gerade eine neue Kamera gekauft, um die unerklärlichen poltergeistartigen Vorkommnisse, die im Haus der beiden nachts von statten gehen, auf Video festzuhalten. Ich erfahre zudem, dass Katie, seit sie acht Jahre alt ist, von einem Dämon heimgesucht wird, der nachts schemenhaft neben ihrem Bett steht, sie hin und da ein wenig anhaucht und röchelnd „Kaaaaatiiieeee“ flüstert. Klingt hier jetzt nach perversem Sittenstrolch am Telefon, erzeugt im Film und zur passenden Tageszeit aber ein angenehmes Gruselgefühl. Micah ist zwar skeptisch, aber auch neugierig und stellt bald die Kamera ins Schlafzimmer, um das Wesen auf frischer Tat zu ertappen. Auch ist er wie die meisten Kamerafuzzis in diesen „shakycam“-Filmen ein ziemliches Arschloch, denn er macht die Kamera auch dann nicht aus, wenn seine Freundin als verängstigtes heulendes Häufchen Elend in der Ecke kauert. Der Film wechselt nun immer ab mit Tages- und Nachtszenen, anfänglich bewegt sich nur eine Tür wie von Geisterhand, später wird Katie aber durch den zusehends miesepetrigen Dämon sogar aus dem Bett gezogen. Die Lage spitzt sich zu.

Sollte sie zumindest, denn gerade wenn der Film anfängt, richtig spannend zu werden, ist er auch schon vorbei. Natürlich ist auch dieser Film nur so lange, wie die Kamera funktioniert oder der Kameramann am Leben ist. Was bei „Blair Witch“ noch neu war, wird spätestens hier nach zahlreichen ähnlichen Streifen zum ausgelutschten Klischee. Vielversprechende Figuren wie der Geisterjäger werden nicht ausgeschöpft oder tauchen im Falle des Exorzisten gar nicht erst auf, die Prämisse von „wir lassen den Horror in den Gedanken des Zuschauers enstehen“ verpufft in einer Aneinanderreihung von blossen „Buh!“ Effekten. Zwar hats dann doch zwei bis drei Szenen, welche ein wenig ungemütlich sind, wenn zum Beispiel die schlafwandelnde / besessene Katie mitten in der Nacht stocksteif neben dem Bett steht, während bei der Kamera der Timer zwei Stunden im Schnelldurchlauf rattert, aber deswegen muss ich noch lange kein Kissen vors Gesicht halten.

Ich komme also zum Schluss: ich bin eine abgebrühte coole Sau. Wäre aber gern ein wimmerndes Weichei. Also her mit euren Filmtipps, ich will mich endlich mal wieder richtig fürchten! Aber verschont mich mit diesem „Saw“ und „Hostel“-Mist, das ist zwar eklig, aber nicht creepy.

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