WTF?! – Eine Stellungnahme

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Neulich hat mich jemand gefragt, warum ich Theater nicht mögen würde und ich hab mir die Frage zu Herzen genommen und mich selber gefragt, warum ich Theater nicht nur nicht mögen tue sondern sich bei mir beim blossen Gedanken an Theaterbesuch sämtliche Finger und Zehennägel im Grab umdrehen. Oder so. Jedenfalls habe ich in meiner Persönlichkeit geforscht, was oft ein gefährliches Unterfangen ist, man weiss nie, ob man nachher noch derselbe ist und da ich ein recht mitteilungsbedürftiger Mensch bin (treue Leser meiner Facebook-Statusmeldungen können davon ein Liedchen singen), will ich hier in diesem Text meine Abneigung für Theater erläutern. Schliesslich ist es auch ein erklärtes Ziel dieser wöchentlichen Blogbeiträge, euch die Komplexität meines Seins ein wenig näher zu bringen, Brücken zu schlagen, Grenzen zu überschreiten und Mauern abzubrechen. Oder gleich zu sprengen. Wo war ich? Ah ja, Theater.

Wie so viele meiner Persönlichkeitsstörungen Charakterzüge liegt auch diese in meiner Kindheit begründet. Ich war zirka fünf Jahre alt, als ich im ehrwürdigen Theater Fauteuil in Basel eine Vorstellung von „Meister Eder und sein Pumuckl“ besuchte, als so kleiner Knirps natürlich zusammen mit meinen Eltern. Was habe ich mich darauf gefreut! Pumuckl! In Echt! Nur in einigen Metern Entfernung! In meiner kindlichen Fantasie malte ich mir schon aus, wie das aussehen würde, wenn sich der kleine Kobold unsichtbar machen würde. Die Enttäuschung bei der tatsächlichen Vorstellung war gross, genauer gesagt geschätzte zwei Meter. Das war ungefähr die Grösse von Pumuckl auf der Bühne, er überragte den dicklichen Meister Eder um geschlagene 30 Höhenzentimeter. Wobei „er“ der falsche Ausdruck ist, denn Pumuckl hatte Brüste. Hätte ich den Ausdruck damals schon gekannt, hätte ich laut in den Saal gerufen: „WTF?!“.

Wir haben also gar nicht gut begonnen, das Medium und ich. Leider hat sich an der, wahrscheinlich auf Gegenseitigkeit beruhenden Abneigung auch zwölf Jahre später nichts geändert. Mit der Schule besuchte ich Aufführungen des Gymnasiums Oberwil, des Theaters Basel und im Schauspielhaus Zürich, und immer waren es von der Kritik hochgelobte Werke und Umsetzungen. Meine Kritik war jeweils kurz und knapp: „WTF?!“

Denn obwohl beim Theater das Geschehen „live“ vor mir inszeniert wird und sich dadurch eigentlich alles „echter“, unmittelbarer und unverfälschter anfühlen sollte, bleibt bei bei mir eine Distanz zum Geschehen auf der Bühne. Denn als Zuschauer kann ich nicht wie bei einem Film feinste Gefühlsregungen in der Mimik der Schauspieler wahrnehmen, dazu sitze ich ja zu weit vom Geschehen entfernt, ich kann Dialoge im Flüsterbereich nicht hören, denn dazu ist der Saal zu gross. Also wird jede Geste übertrieben dargestellt und jedes Wort laut gesprochen. In Kombination mit oft spärlichen Kulissen (das Schloss des alten Moors ist aus Pappe? Echt?) wird in meiner Wahrnehmung das Gegenteil erreicht: Theater wirkt auf mich nicht kunstvoll, sondern künstlich. Artifizieller als jeder noch so billige Computereffekt in einem zweitklassigen Hollywoodstreifen. Die viel gerühmte Beschränkung aufs Wesentliche, für das viele Theateraufführungen gelobt werden, ist in meiner Wahrnehmung eine Blosstellung der eigenen begrenzten Möglichkeiten einer veralteten Kunstform. Vielleicht frustriert mich aber auch ganz einfach das dubiose Gefühl, das die auf der Bühne mehr Spass haben als ich im Publikum. Und das geht ja mal gar nicht.

In einem zukünftigen Beitrag lasse ich mich dann darüber aus, warum ich Clowns nicht lustig finde und sich die Magie eines Zirkus mir generell nicht erschliesst. Oh ja, und das ich mit Konzerten eigentlich auch wenig anfangen kann, schliesslich klingt das ab CD viel besser. Und mir schmeckt Fertigrösti übrigens auch besser als hausgemachte.

Hm. Manchmal wundere ich mich darüber, das es da draussen tatsächlich noch Leute gibt, die mich anscheinend ganz gut leiden können.

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