And the Quarz goes to…

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Es war eine rauschende Gala-Nacht: Séverine Cornamusaz nahm stolz den Preis für den „besten Spielfilm“ entgegen. Sein „Coeur animal“ beschreibt auf eindrückliche Art und Weise die mitreissende Liebesgeschichte zwischen einem schwulen Variététänzer und einem querschnittgelähmten autistischen Zoowärter. Sichtlich gerührt nahm auch Vadim Jendreyko in Gegenwart der zahlreichen, aus aller Welt angereisten Gäste aus Wirtschaft, Kultur und Politik den Preis für den „besten Dokumentarfilm“ von Bundesrat Didier Burkhalter entgegen. „Die Frau mit den 5 Elefanten“ schildert ergreifend die tragische Entfremdung der Kunststudentin Gilbèrte von ihrer Plüschtiersammlung.

Ich gebe zu: die Inhaltsangaben der jeweiligen Filme habe ich selber zusammengedichtet, denn ich habe die prämierten Streifen nie gesehen. Ich vermute, damit wäre ich aber bei den anwesenden Gästen nicht allein gewesen bei der „Quark“„Quarz“, der Verleihung des Schweizer Filmpreises. „Schweizer? Film? Preis?“ möge sich der geneigte Kinogänger fragen. Ja, denn Preisverleihungen sind in unserem Land grad gross im Trend. Irgendein findiger (und mittlerweile sicher stinkreicher) Kreativkopf hat sich wohl gedacht, das man brachliegende und vor sich hinsiechende Branchen am besten fördert, in dem man eine entsprechende Preisverleihung lanciert. Siehe „Swiss Sport Awards“ oder zuletzt die „Swiss Music Awards“. Demnächst gibts also wohl auch den „Swiss Tourism Award“ für die Hotelbranche.

Aber kommen wir zurück zum „Quarz“, dem Schweizer Filmpreis, der als einziger keine hippe englische Namensbezeichnung trägt, das würde die Veranstaltung zu sehr in die Nähe vom Glanz und Glamour einer Oscarverleihung rücken, was es tunlichst zu vermeiden gilt. Nein, man war hier sachlich und seriös, deshalb stand auch ein Bundesrat auf der Bühne und verlieh dem Abend damit endgültig den Charme eines Power-Point Foliencontests. Durch den Abend führte überraschenderweise nicht Sven Epiney, sondern Quizmoderatorin Susanne Kunz (Eiger, Mönch und Kunz, 1 gegen 100), die im zu engen blauen Kleid an eine Mischung aus Alice im Wunderland und Beth Ditto erinnerte. Moderiert wurde selbstverständlich zweisprachig, denn die ausgezeichneten Werke kamen zu 90% von ähnen dem Röschtigraben.

Ja, man feierte an diesem frostigen Samstagabend im März sich selbst, die Kunst und die idée suisse. Theaterregisseur Christoph Marthaler war da, Melanie Winiger war da, Alien-Grufti H.R. Giger war da und irgendwo hinter der Bühne rubbelte sich ein Sternstundenmoderator einen runter, kurz, es war die nationale Filmszene, wie sie leibt und lebt. Es war zudem auch sterbenslangweilig.

Eben wie ein typischer Schweizerfilm.

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