Samenraub

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Eine Warnung vorweg, liebe Leserin und lieber Leser, heute geht es hier um Sex. „Endlich!“ höre ich an dieser Stelle einige rufen, während sich bei anderen das Gesicht in einem schüchternen Scharlachrot färbt und sie hilfesuchend nach links und rechts schauen, ob sie auch niemand beim Lesen beobachtet. Trotzdem, es führt kein Weg vorbei, das Thema muss jetzt mal, pardon, aus dem Sack und auf den Tisch.

Gerade eben ist nämlich wieder der Lieferwagen von Swiss Genetics vor meinem Bürofenster durchgebraust. Der Name klingt nach High-Tech Labors, illegalen Experimenten und Michael Crichton, aber wie so oft im Leben ist die Wirklichkeit weitaus banaler: Swiss Genetics handelt mit Rinder- und anderem Viehsperma. Inklusive abzapfen und einpflanzen. Da gegenüber meiner Arbeitszelle das Tor der Besamungsstation meistens weit offen steht, erhasche ich auch oft einen ungewollten Blick auf eben diesen Dienstleistungsvorgang, auch wenn ich eigentlich nur mal wieder etwas von der Sonne sehen will. Ich erspare mir die ferkeligen Details (ich Unschuldslamm hab zuerst noch gedacht, der lederne Bock in der Mitte der Halle wär fürs Rodeoreiten nach Feierabend), deshalb nur das nötigste: Männlein und Weiblein bekommen sich dank Swiss Genetics nie zu Gesicht.

Da fragt man sich natürlich, was das für Menschen bei Swiss Genetics sind und ob die Nachts ruhig schlafen können. Wie sooft beim Thema Fortpflanzung gibt Freund Internet auch hier Auskunft. So heisst es auf der offiziellen Firmenwebsite:

„Wir stellen die hohe Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen mit einem umfassenden Qualitätsmanagement sicher. Als Marktleader bieten wir in der ganzen Schweiz eine professionelle Samenübertragung und einen erstklassigen Service. Beim Umgang mit den Tieren beachten wir hohe ethische Grundsätze.“

Schön, man bringt die Viecher zwar um den ganzen Spass, aber immerhin wird die Sache unter hohen ethischen Grundsätzen durchgeführt. Da kann Rudi der Stier sich ja glücklich schätzen. Aber wer sowas wie“professionelle Samenübertragung“ schreibt, vögelt wohl auch mit der Stoppuhr am Handgelenk. Egal, ich habe mich ja gefragt, was das denn für Menschen sind, also steht da weiter geschroben:

„Motivierte und innovative Mitarbeitende sind unser wichtigstes Kapital. Wir bieten optimale Arbeitsbedingungen und pflegen eine teamorientierte, verantwortungsbewusste Unternehmenskultur. Jeder trägt mit einer stetigen Verbesserung seiner individuellen Leistung und derjenigen seines Teams zum langfristigen Erfolg unserer Kunden und Swissgenetics bei.“

Man kann sich fragen, ob der Texter da nicht zumindest ein wenig pubertär vor sich hingekichert hat beim Eintippen. Anyway: ja, ich weiss, die Typen verdienen damit gutes Geld und ernähren damit ihre Familie, die Wirtschaft und die Gesellschaft freut sich. Ja, mit diesem Vorgehen werden wahrscheinlich laufend zig Erbkrankheiten ausgerottet und den Tieren wird das ganze mühsame Rumbrunften erspart. Trotzdem fragt sich der Tierfreund in mir leise: warum kann man nicht einfach der Natur ihren Lauf lassen?

Gäbe mir jedenfalls ein besseres Gefühl beim Essen eines saftigen Steaks.

Quelle:www.swissgenetics.ch

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