Ach DA gehen all die Billag-Gelder hin!

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Mir ist ja bewusst, dass heuer die erste Januarwoche nicht einfach ist für all die TV-Newssendungen: Berlusconis Mafiosifresse ist geradegerückt, mit Pandemiemeldungen lockt man keine Sau mehr hinterm Ofen hervor, und selbst die Finanzkrise scheint zumindest halbwegs überwunden. Was soll man denn da bitte noch ausschlachten berichten?

Wie das SF in solchen Situationen Sendezeit füllt, wurde dem leidgeprüften Zuschauer gestern Dienstag in „Schweiz Aktuell“ vor Augen geführt. Thema: Das doppelte Lawinenunglück im Berner Oberland von letztem Sonntag. Eigentlich wurde darüber schon alles berichtet, aber „Schweiz Aktuell“ will mehr, schaut hinter die Kulissen. Berichtet so dann aus dem Hotel, wo die verstorbenen Lawinenopfer nächtigten. Zeigt in bedeutungsschwangeren Kameraeinstellungen den leeren Speisesaal (dort drüben vorne rechts haben sie immer gessessen und ihre Touren geplant!), die nun freien Betten (fast riecht man so etwas wie Leichengeruch!) und zeigt als Tränendrüsenzückerchen noch den Wirt, der seine Gäste „nie vergessen wird (seht ihr, wie seine Augen feucht glänzen? Noch nicht? Kein Problem, wir zoomen ran!).

Ich würgte tapfer meine ab so viel katastrophengeiler Berichterstattung aufsteigenden Magensäfte wieder herunter, doch bei SF wurde man gerade erst warm. Die nächste…*hust*…“Reportage“ schickte ein Reporterteam als Begleitung einer Skitour im Krisengebiet Diemtigtal „bei Spiez“. Würde man das leutschenbachsche Geografieverständnis überall anwenden, könnte man auch sagen Zürich bei Basel. Jedenfalls wurden in kurz-knackigen Interviewfragen die Tourenteilnehmer vorgestellt, so etwa eine Kinderärztin aus Bern, die Kalendersprüche wie „auch beim Autofahren kann man verunfallen“ vom Stapel lässt, um dann nach erfolgtem Aufstieg unter Aufsicht des Tourenleiters den Tiefschneehang herunterzucarven und mich ratlos im Fernsehsessel zurücklässt. Hätte mich das nun unterhalten, informieren, gar aufklären sollen? Hat das Reporterteam gehofft, noch irgendwo eine erstarrte Hand aus dem Schnee ragen zu sehen? Oder hatte man gerade einfach Lust auf einen sonnigen lockeren Arbeitstag im Schnee? Waren sie etwa neidisch auf die Moderatorin des Gesundheitsmagazins „Puls“, die für die neuste Sendung unbedingt aus Dubai berichten musste? Fragen über Fragen, aber es kann mir ja eigentlich egal sein. Ist ja nicht so, dass solche Exkursionen mit meinen Billag-Gebühren finanziert werden.

Ich zappte weiter zum Lokalsender TeleBasel und wärmte mich mit „7vor7“ bei einem Bericht über den immer noch frei herumzünselnden Riehener Brandstifter auf. Anscheinend weiss man immer noch recht wenig bis gar nichts über ihn, weshalb, um das ganze auf 3 Minuten auszudehnen, ein Psychologe vor die Kamera gezerrt wird. Dieser benutzt für einen offensichtlich gebildeten Mann (er steht nicht nur vor einem Gestell voller Bücher, er blättert sogar gerade in einem herum!) beunruhigend häufig das Wort „vielleicht“: „Vielleicht“ wolle der Täter geschnappt werden, „vielleicht“ geben ihm die Brandstiftungen eine Art Machtgefühl, „vielleicht“ sei da auch „was sexuelles“. Aha.

„Vielleicht“ sollte ich beim Abendessen nicht mehr fernsehen.

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