Physikemetzel

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Manchmal, wenn das Sternbild des Orion in einer bestimmten Relation zum Neigungswinkel der Erdachse steht und der Mond sich in seiner Diätphase befindet, bekommt man im Autoradio nicht nur todgenudelte Popsongs oder fürchterlich unkomische Moderatoren zu hören, sondern tatsächlich auch mal einen interessanten Beitrag. So auch an diesem Morgen zu Beginn der Sommerferien. Womit wir grad beim Thema wären, es ging nämlich darum, ob Lehrer nun tatsächlich ganze sechs Wochen auf der faulen Haut liegen würden. Obwohl ich die Antwort auf diese Frage schon seit dem ersten Schultag weiss, wollte der Sender der Sache auf den Grund gehen und interviewte zu diesem Zweck Herrn P. aus Aarau, seines Zeichens Lehrer der Physik.

„Ja das ist es, was alle glauben, aber dem ist nicht so!“ 100 Punkte an sie, Herr P., immerhin machen sie sich nichts vor, was die öffentliche Wahrnehmung anbelangt. „Von heute an geh ich mit der Familie zwei Wochen in den Süden, aber gleich nachher gibts eine Woche Weiterbildung.“ Ok, ganz vernünftig bisher, auch die Naturgesetze machen schliesslich heutzutage nicht vor Revisionen halt. „Die restlichen drei Wochen bin ich in der Schule am aufräumen und vorbereiten.“ Aha, jetzt wissen wirs: Herr P. braucht drei Wochen zum Aufräumen und zur Vorbereitung eines Lernplans, der sich wohl naturgemäss eher geringfügig vom letzten Jahr unterscheiden dürfte.

Wie komme ich dazu, solche Behauptungen in die Welt zu setzen, schliesslich hab ich ja vom Lehrerberuf, von Herrn P. und von Physik sowieso nicht die geringste Ahnung? Oh doch, momentan unterrichte ich täglich hunderte von Sch(m)eissfliegen in Sachen Trägheit und Masse. Respektive ich zeige ihnen anschaulich, was passiert, wenn ihr ach-so-stabiler Chitinpanzer mit dem geschwungenen und harten Gitterplastik meiner 45er Magnum-Klatsche kollidiert. Und das ist nicht schön. Mein Klassenzimmer gleicht mittlerweile einer Szene aus einem Splatterstreifen, wenn hier einer eine Fortsetzung von „Liebling ich habe die Kinder geschrumpft“ drehen würde, der Film wäre ab 18 Jahren freigegeben.
Natürlich deprimiert mich der Anblick von verstreuten kubikmilimetergrossen Gedärmen immer wieder aufs Neue. Ich tröste mich dann jeweils mit dem Gedanken an die Reinkarnation, denn ich erlöse die Viecher ja von ihrem kackekrabelnden Dasein und befördere sie in ihre nächste Existenzform als Eintagsfliege.

Wer jetzt denkt, dass ich diesem wirren „vom Sonnensystem zur Lehrerschaft bis zur Stubenfliege“-Text ein einigermassen sinnvolles „Aha“-Ende verpasse, der kennt mich erstens schlecht und hat sich zweitens wohl irgendwo geschnitten.

Ich für meinen Teil denke aber es ist höchste Zeit für eine zünftige Sommerpause.

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