Mit Blasmusik machts Spass im Krieg

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Wir schreiben das Jahre des Herrn 2009, genauer gesagt den 12. Juni. Herr M. B. aus E. bei B. am R. entschliesst sich, nach einer nahrhaften (im auslaugenden Sinn) Arbeitswoche im Büro, diesen Abend trotz recht schön-sommerlichem Wetter gemütlich zuhause zu verbringen. Er weiss, dass er am nächsten Tag früh aus den Federn muss, weil er ja diesen vermaledeiten Weiterbildungskurs besucht. Aber was tut man nicht alles, um nicht schleichend zu verblöden, schliesslich geben sich TV-Programm und Gratiszeitungen schon die grösste Mühe. Herr B. entschliesst sich dazu, nach getaner Hausarbeit, sportlicher Betätigung und Lernstoff büffeln, sich um 20 Uhr einen, sicherlich nicht besonders hochstehenden aber doch potentiell unterhaltsamen Actionfilm mit Jason Statham zu genehmigen. Das Vergnügen währt ganze sieben kurzweilige Minuten, dann wird der Film plötzlich von einer zusätzlichen Tonspur untermahlt. Nach einigen Hundertstelsekunden detektivischer Kombinationsarbeit und einem Blick aus dem Fenster kommt Herr B. zu dem Schluss, dass die Klänge nicht Teil des Films, sondern von den Instrumenten der örtlichen Fasnachtsclique stammen.

„Aha“, denkt sich Herr B., „hat wohl jemand beim nebenangelegenen Restaurant einen runden Geburtstag und die Clique bringt ihm oder ihr ein Ständchen. Schön.“ und lauscht drei-vier Stücke lang, bevor er seinen begonnenen Film fortsetzt, mit sich und der Welt zufrieden.

Als nach ca. 40 weiteren Filmminuten aber wieder die, mittlerweile doch ziemlich unerwünschte zusätzliche Tonspur in Dolby Tschingdärässabumm-Qualität erklingt und auch um zwei Uhr morgens der musikalisch-bierselige Lärmpegel nicht gesenkt wird, kommt Herr B. frustriert zu folgenden tiefschürfenden Erkenntnissen:

– Fasnacht ist nicht nur an drei Tagen im Jahr, sondern immer dann, wenn
es einem in den Sinn kommt.

– Wir haben zwar grad Informationszeitalter, trotzdem ist es anscheinend unmöglich, die Anwohner im Voraus über das Kakophonie-Event zu benachrichtigen. War wohl ein Briefserverabsturz. Oder die Telefonleitungen sind durchgebrannt. Kann ja mal vorkommen.

– Vereine dürfen grundsätzlich Dinge tun, bei denen jede andere Privatparty gleich mit Polizeibesuch, zahlreichen Verhaftungen und Zwangsjacken rechnen muss. So Musik ist ja schliesslich Kultur. Irgendwie.

– Die Mitglieder mit den lautesten Instrumenten bleiben grundsätzlich am längsten, konsumieren Alkohol in direkter Relation zu ihrem Bauchumfang und gröhlen am lautesten herum.

Herr B. sucht daraufhin fieberhaft in seinem Wandschrank nach Massenvernichtungswaffen mit nachhaltiger Wirkung, findet aber nur die üblichen Hemden und Mottenpapiere. Frustriert legt sich Herr B. dann ins Bett und sinkt in einen unruhigen, traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen vorm Spiegel könnte er sich schwören, dass die drei grauen Haare vorne hinten rechts am Tag davor noch nicht da waren.

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