Spielekiller

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Guten Tag Frau Evi Allemann

Ich zitiere aus Ihrer Motion „Verbot von Killerspielen“ (www.eviallemann.ch): „Ein generelles Verbot solcher Spiele erscheint deshalb angemessen und verhältnismässig, insbesondere da sie über keinen irgendwie schützenswerten kulturell-gesellschaftlichen Gehalt verfügen.“

Eine recht ungeheuerliche Behauptung, wie ich finde. Zeugt sie doch von der Tatsache, dass Sie von der Materie, entschuldigen Sie meine Direktheit, nicht die geringste Ahnung haben. Ihnen jetzt hier Titel von „ab 18 Spielen“ an den Kopf zu werfen, die sehr wohl kulturell-gesellschaftlichen Wert besitzen, hat wohl keinen Sinn, da diese Ihnen ja vermutlich eh nichts sagen würden (Frage am Rande: wird bei der SP bei allen Themen so..äh…*hust*…“intensiv“ recherchiert?) stattdessen frage ich Sie: warum dürfen Theaterstücke, Filme und Bücher (von denen viele grosse Klassiker ziemlich brutale Szenen beinhalten) Gewalt als dramaturgisches, unterhaltendes Mittel einsetzen, Computerspiele aber nicht? Keine Sorge, ich kann Ihnen diese Frage selber beantworten, dieser Brief soll zwar als Denkanstoss dienen, Ihnen aber keinerlei Kopfzerbrechen bereiten. Der Grund ist der, dass Games vom nichtspielenden Teil der Bevölkerung immer noch als Kinderspielzeug und nicht als vollwertiger Kulturzweig angesehen werden. Und Kinderspielzeug muss ja für Kinder sein, also soll der Markt bitteschön nur entsprechend bunte, harmlose und pädagogisch wertvolle Software produzieren. Zudem spielt man Games vor einem Bildschirm (Bildschirme sind böse!) und nicht draussen in der freien lehrreichen Natur (wo die Zecken lauern, aber das ist ja eine ganz andere Hysterie).

Weiter schreiben Sie: „Die von den Herstellern und Händlern definierten Altersrichtlinien (z.B. PEGI) sind keine Alternative zu einem Verbot, da sie leicht unterlaufen werden können.“ Ja, klar. Neben dem dezenten PEGI-Symbol prangt auf Spielepackungen zwar noch die Altersfreigabelogos der deutschen USK, die so gross sind, das sie kaum noch durch die Eingangstür des Mediamarkts passen. Aber hey, statt diese für Verkäufer und Eltern einfach per Gesetz auch hierzulande verbindlich zu machen, fordern Sie lieber ein totales Verbot von „ab 18“-Spielen. Das kann man gar nicht unterlaufen, höchstens mit dieser neumodernen Technik, diesem „Internet“. Aber da weiss eh niemand, wie man es bedient. Schon gar nicht die jüngere Generation.

Kurz: Der Text Ihrer Motion strotzt so von haarsträubender Naivität und Unwissenheit gegenüber den neuen Medien, dass ich eigentlich erwartet habe, den Namen eines Rütlischwurveteranen darunter zu sehen. Sie aber haben Jahrgang 1978, das sind drei kümmerliche Jährchen von meinem Geburtsjahr entfernt. Aber wohl Lichtjahre von meinem Weltbild.

Persönliche Notiz an mich: Piratenpartei wählen.

Freundliche Grüsse
Mischa Baehler

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