Rebel without a cause

Standard

Es gibt Tage, da wird einem schlagartig bewusst, dass die letzten zehn Jahre schneller vorbeigegangen sind, als die zehn Jahre davor. Wo die Tragik der eigenen Vergänglichkeit, Salzsäure gleich, ins langsam verwesende Fleisch des Körpers tröpfelt und die Narben der Lebenserfahrung hinterlässt. Tage, wo man nicht mehr durch den Eingang ins Bällchenparadies der IKEA passt. Tage, an denen mehr Viagra-Spam Mails als sonst die Mailbox überschwemmen. Wo man an Schülern und Schülerinnen vorbeigeht und sich fragt, ob diese einen jetzt als alten erwachsenen Knacker sehen. Tage, wo die grauen Haare im Spiegel irgendwie besser sichtbar sind als sonst. An solchen Tagen geh ich immer zum Friseur. Heute ist so ein Tag.

Aber etwas ist heute…ANDERS.*

Ich brauchte heute morgen nur kurz auf dem Sozialnetzwerk meiner Wahl vorbeizustolpersurfen, schon fühlte ich mich schlagartig wieder jung. Oder zu jung. Denn: SP-Frau Susanne Leutenegger-Oberholzer hat ihr eigenes Facebook-Profil. Frau Oberholzer, nennen wir sie doch einfach kurz und knackig „Frau SLO“, ist nicht selten vor einer Fernsehkamera anzutreffen, wo sie immer eindrücklich beweisst, dass sie das „ch“ jeweils sehr weich und zärtlich vom Gaumen ausgehend aussprechen kann, und nicht so hart und schweizerisch-grob „CHchch“ aus dem Rachenbereich. Halt so, wie man es damals in der Primarschule gelernt hat, die ja bald nicht mehr Primar sondern Basisstufe heisst. Harmosmyass.

Wie auch immer, ich fühlte mich schlagartig zu jung. Schliesslich ist das Internet und sein narzistischer Bruder Web 2.0, ein Medium meiner Generation. Wenn jetzt faltige Politiker und -Innen hier herumschlurfen, fühle ich mich irgendwie uncool und altersfleckig. Sprich, ich muss mir nun etwas suchen, was gesellschaftlich noch nicht aktzeptiert ist. Paintball zum Beispiel. Oder Nacktwandern. Wenn das mit der Verbotspolitik so weitergeht, fange ich auch mit Rauchen an. Mal sehen. Mein Rebellenhormon ist jedenfalls aktiviert. War halt doch nicht so übel, die Pubertät.

*ein inflationär gebrauchter Satz des Lieblingsautors (Asche über mein Haupt) meiner späteren Kindheit, Wolfgang Hohlbein. Aber wenn er schon in seinen Büchern teilweise ganze Seiten von sich selber kopiert, darf ich mir sicher ein Sätzchen von ihm ausleihen. Quasi als Hommage.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s