Write-off, Round 3: Legends of Passion and Fall

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Frau H. hat den neusten Write-off schon eine Stunde vor mir auf ihrem Blog gepostet und ich folge jetzt nun etwas später. Was soll ich machen, ich habe halt einen Haushalt zu führen und nicht wie Frau H. zwei kleine Kinder, die mir dabei helfen. Aber kommen wir zum Pudel seinem Kern, dem Corpus delicti, dem Filmi inflagranti. Heute: Legends of the Fall. Frau H. zuerst. In rosa. Ihre Farbe.

Ich mag ja eigentlich keine dieser so genannten „Frauenfilme“. Und auch Brad Pitt lässt mich ziemlich kalt. Ziemlich schlechte Voraussetzungen also für eine Beurteilung von „Legenden der Leidenschaft“. Aber ich habe mich dann so neutral ich nur konnte vor den Fernseher gesetzt, bewaffnet mit einer grossen Hälfte kalter Wassermelone und einem Glas Apfelwein. Allein schon die rasche Lektüre des DVD Klappentextes veranlasste mich zum Gähnen, aber ich hoffte ganz fest, dass mich der Film doch noch zu fesseln vermögen würde. Schliesslich hat der Schinken 1994 einen Oscar eingesackt. Und – ich mag Anthony Hopkins gut leiden. Aber leider bewahrheiteten sich meine Befürchtungen. Sogar Legeenten sind leidenschaftlicher, als dieser Film es ist.

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Schauplatz Montana. Colonel Ludlow (Hopkins) wohnt mit seinen 3 Söhnen auf einer Farm. Richtig los geht es in der Story, als die Verlobte des einen Sohnes zu Besuch kommt, und alle anderen Burschen in der Familie ihre Faszination gegenüber der jungen Dame kaum verstecken können. Ach ja, und um Krieg geht es am Rande auch noch. Aber eigentlich ist ebendieser nur Beigemüse. Alles dreht sich um die hübsche junge Dame, die sowohl im weissen Spitzenrock als auch als wildes Cowgirl Lasso schwingend und Dosen schiessend eine gute Figur abgibt. Ein Mordskerl!

Heimlich beobachtet sie abends den etwas wilderen Bruder (Pitt) den sie eben nicht zu heiraten gedenkt, und man ahnt es schon. Das gibt Ärger. Zwei Minuten danach führt der verlobte Bruder mit dem wilden Bruder bereits ein Gespräch über voreheliche Leidenschaften. Auch so ein Fehler. Und wenn man den langhaarigen Badboy Pitt in seinen Jeans mit dem geschniegelten, im Anzug Federball spielenden Verlobten vergleicht, kann man den Grad an Leidenschaft der beiden Kerle 100m gegen den Wind bereits erahnen (die junge Dame wahrscheinlich auch).

Immer wieder geht es dazwischen um Krieg, Politik, Pferde, Männerkram, Besitz und blablabla. Bei Minute 23 überlege ich mir, wie viele Zuschauerinnen hier wohl diese Szenen einfach überspult haben, um wieder auf die Romanze zwischen Susanna und einem der Herren zurück zu kommen. Wie zum Beispiel die Szene, in welcher Susanna Tristan heulend um den Hals fällt, um ihn zu bitten, ihren Bruder nicht in den Krieg ziehen zu lassen – wuhuuu! Drama ahead. Aber noch geschieht nichts.

Bei Minute 26 freue ich mich über einen weiteren „Brief“ von Hopkins an seine Isabel. Gleichzeitig ziehen die Brüder in den Krieg. Echte Kerle eben. Grosser Abschied von allen – allen voran Susanna. Die Jeansjacke einer der Brüder sieht so neu aus, wie frisch aus dem modernsten Levis Store. Ich merke, dass ich auf Details achte. Das bedeutet, die Handlung fesselt mich zu wenig, sonst fiele das weg (siehe auch Oblivion). Ich stelle fest, dass Hopkins der bestaussehendste Kerl im ganzen Film ist. Es schaudert mich ein bisschen, und ich weiss nicht genau, ob deswegen oder wegen der kalten Melone. In Gedanken überlege ich, welche Mails ich morgen noch für die Arbeit beantworten muss. Vor mir reiten die Brüder auf schmucken Pferden in den Krieg.

Den Erzähler im Off mag ich gut leiden. Als ich in Gedanken weit abschweife, fliegen plötzlich rote Knallkörper über die Leinwand – wie hübsch, ein Feuerwerk! Aber nein, das ist ja der Krieg! Männer rennen, Männer schiessen, Männer fallen in den Schlamm. Es knallt und blinkt und ich denke mir, was ich mir bei Kriegsszenen seit „vom Winde verweht“ immer denke. Nämlich: Wer räumt das wohl nachher alles auf?

Selbstverständlich haben alle relevanten Darsteller überlebt. Noch. Und die Off-Stimme gibt Einblick in die Briefe des Verlobten Samuel an seine Verlobte Susanna. Leider erwischt es ihn dann doch und Bruder Tristan fühlt sich wohl verantwortliche für seinen Tod. Zugegeben, die Sterbeszene ist irgendwie rührend, und unschön. Man wartet auf ein paar letzte Worte wie: „Kümmere dich um Susanna“ oder ähnlich, aber da kommt nichts. Warum genau Tristan Samuel noch mit dem Messer in die Brust sticht, habe ich nicht ganz verstanden. Mit „Herzblut“ malt er sich eine Kriegsbemalung auf, bevor er Soldaten metzeln geht. Tristan macht eine ziemliche Wandlung durch, bevor er für einige Zeit verschwindet. Und hat er tatsächlich Samuels Herz zurück zur Familie geschickt? Creepy.

Susanna bleibt zunächst beim Colonel. Und es dauert auch nicht lange, bis Alfred ihr seine Liebe gesteht – am „Grab“ des gefallenen Bruders. Creepy again. Er kassiert einen Korb. Und dann passiert’s. Der verlorene Sohn kommt zurück. Wie Lorenzo Lamas nur auf dem Pferd statt auf dem Töff reitet Tristan zurück zur Farm, wo Susanna bereits nägelkauend an der Scheibe steht. Szenen aus Shades of Grey kommen mir in den Sinn. Alfred freut sich am wenigsten über den Heimkehrer. Als Pitt bei Minute 53 am Grab seines Bruders weint, ist das Ganze so kitschig, dass ich wirklich gerne abschalten würde. Zufällig kommt Susanna gerade vorbei. Aha.

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Die Spannung zwischen den Brüdern ist deutlich zu spüren. Und bevor man noch gross ins Grübeln kommen kann, geht es zwischen Susanna und Tristan auch schon relativ wortarm zur Sache. Armer Alfred. Der verkracht sich nun arg mit dem Bruder, der nicht glaubt, dass Tristan Susanna glücklich machen könne. Als Alfred das Feld räumt, denkt man sich, der Film könnte hier doch eigentlich enden. Wir hatten sowas wie Legenden, wir hatten 40 Sekunden Leidenschaft. Aber nein.

Alfred baut sich eine Existenz woanders auf, Tristan und Susanna reiten auf der Farm um die Wette und lassen ihre Haare wachsen. In der heissen Quelle badend besprechen sie Babynamen. Ich will bitte abstellen. Tristan wird im Laufe der Geschichte immer seltsamer und depressiver, und die nägelkauende Susanna mag ich auch nicht mehr sehen. Als Tristan aufbricht, um kurz einmal Zigaretten zu holen (aka eine monatelange Reise zu machen), verliere ich ein wenig die Geduld. „Ich warte auf dich, bis in die Ewigkeit“ meint Susanna zu Tristan. Ich hingegen bete, dass der Film nicht ewig andauern wird.

Was mir im Gegensatz zur Story gefällt, sind die Briefe, welche sich die Darsteller immer wieder schreiben. Ich stelle mir immer wieder vor, wie es wäre, wenn die Geschichte in der Jetztzeit spielen würde und Tristan dauernd WhatsApp Nachrichten von Susanna kriegen würde.„Wo bist du gerade?“ / „Du schreibst mir ja gar nie!“ / „Findest du mich fett?“/ „Kannst du Milch und Brot mitbringen auf dem nach Hause Weg?“. Nicht cool.

Kein Wunder widmet sich Susanna schliesslich dem erfolgreichen (und vor allem präsenten) dritten Bruder. Aller guten Dinge sind ja schliesslich drei. To make a long story short – Susanna heiratet Alfred, Tristan kehrt irgendeinisch wieder zurück (Kravatte?!) und heiratet das junge Halbblut der Farm (warum in aller Welt heisst sie „Isabel 2“? Ist sie ein Roboter, oder ein Klon?) – Hopkins ist alt und krank. Als Hopkins mit krakeliger Schrift „am happy“ auf seine kleine Tafel kritzelt, ist das mein Highlight dieses Films. Danach geht es abwärts.

Hochzeit, Babies, dunkle Geschäfte. Tristan und sein politisch engagierter Bruder geraten sich in die Haare und Susanna schreibt Tristan noch immer von Schwärmerei geschwängerte Briefe. Das kann nicht gut gehen. Als Isabel 2 aus Versehen erschossen wird, und ihre Kinder schreien, als sie ihre tote Mutter sehen, kann ich den Quatsch kaum mehr mitansehen. Es folgt Rache, es folgt Wut. Am Ende stirbt einer nach dem Anderen – Susanna aus Kummer durch Selbstmord und Tristan Jahre später bei einem Kampf gegen einen Bären. The End?

Was soll ich sagen. Klar ist der Film in Tragik getunkt. Leidenschaft habe ich hier aber nicht wirklich viel gefunden, Kitsch hingegen relativ viel, sowie voraussehbare Handlungselemente. Als Nichtfreundin von solchen Filmen habe ich es wirklich versucht – aber das wird wohl nichts zwischen diesem Genre und mir. Ich kann nachvollziehen, was man als Fan solcher Filme an Legenden der Leidenschaft finden kann. Aber mir kommt es vor wie eine Mischung aus „Vom Winde verweht“ (dies hingegen ein grossartiger Klassiker) und „Die blaue Lagune“.Deshalb gibt es von mir leider nur 2 von 5 Daumen, und die gehen alle beide an Anthony Hopkins, der zu unser aller Glück keine Fingernägel kaut.

Und nun mein nicht minder episches Review:

„Legends of the Fall“, von einem sprachlichen Genius sehr frei mit „Legenden der Leidenschaft“ übersetzt, ist ein Film aus dem Jahr 1994. Damals war ich gerade mal 13 Jahre alt und ging mir lieber mit meinen Freunden „Naked Gun 33 1/3“ anschauen, mit dem genialen Leslie Nielsen. Was haben wir gelacht! Unvergesslich etwa die Szene mit den absurd unendlich-langen Beinen von Anne-Nicole Smith, der Gefängnisaufstand im Mittelteil und der Showdown bei der Oscar-Verleihung. „Naked Gun“ hat mich humoristisch geprägt wie kein anderer Film aus den 90ern. Aber es geht hier ja leider nicht um nackte Kanonen sondern um leidenschaftliche Legenden. 

„Legends of the Fall“ ist ein Film mit Brad Pitt. Nur ein Jahr später spielte Pitt zusammen mit Morgan Freeman im grandiosen Psychothriller „Seven“ mit. Darin ging es um einen Serienmörder, der nach den sieben Todsünden…aber was erzähle ich da, jeder dürfte „Seven“ mittlerweile gesehen haben. Nicht nur Brads Karriere startete mit „Seven“ erst richtig durch, auch Regisseur David Fincher rehabilitierte sich damit nach seinem eher mediokren „Alien3“. Obwohl dort das Ende eigentlich als recht gelungen bezeichnet werden darf. Schlicht sensationell ist hingegen das Ende von „Seven“: Nach der Premiere wurde Fincher von einer sichtlich geschockten Zuschauerin verbal angegriffen, es sei schlicht „abartig und pervers“ von ihm, Gwyneth Paltrows abgetrennten Kopf in einer Schachtel zu zeigen. Worauf der gute David wahrheitsgemäss antwortete, das sich so eine Einstellung gar nicht im Film befindet. Was sagt uns das? Genau, der wahre Horror entsteht eben nicht auf der Leinwand, sondern im Kopf des Zuschauers. Aber ich schweife ab.

„Legends of the Fall“ bietet viele schöne Bilder. Das hat der Film nicht zuletzt Kameramann John Toll zu verdanken, der ein Jahr später mit Mel Gibsons sensationellem Schotten-Epos „Braveheart“ einen Oscar gewinnen sollte. „Braveheart“ gehört zu einem meiner prägendsten Kinoerlebnissen, denn „Braveheart“ war eigentlich im ungeschnittenen Zustand ein „ab 18 Film“ den ich aber 1995, den damaligen Altersbestimmungen der Schweizer Kinoszene sei Dank, schon mit 14 Jahren sah. Das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Unter anderem. 

„Legends of the Fall“ hat zu meiner Menschwerdung aber erschreckend wenig beigetragen, weshalb ich lieber über andere, über bessere Filme schreiben möchte (den aufmerksamen, hübschen und wohlriechenden Lesern unter euch wird das mit ein wenig Glück auch schon aufgefallen sein). Dabei ist „LotF“ beileibe kein schlechter Film. Er ist nur unglaublich mittelmässig. Und er gehört zum mir persönlich verhassten Genre der „sie-kriegen-sich-nicht“-Filme. Das sind die, wo zwei Liebende auch am Ende der Geschichte nicht zusammenkommen, oft aus diversen melodramatischen Gründen oder simpler blöder Zufälle. Und dieser Film ist voller blöder Zufälle. Eine Tragödie jagt die nächste und am Schluss sind alle tot. Valar morghulis. Ich kann ja verstehen, wenn da die eine oder der andere verstohlen ein paar Tränchen ins Kleenex verdrücken muss, aber mich liess der Film emotional auf dem Abstellgleis.

Aber gut, ich heule auch nur bei Tierfilmen, wenn der Hund stirbt. Oder der Riesenaffe. 

 

Herr B. ging spazieren

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Ich ging raus. Es musste sein. Nachdem mir das abartig schöne Wetter jetzt schon seit mehreren Wochen jeden freien Tag und damit potentielle ausgedehnte TV-Serien Marathöner Marathoniaden vermiest hat, gab ich heute Donnerstag, 14:09 Uhr Ortszeit kleinbei und betrat die Welt vor meiner Haustür. Und lief los, einfach so.

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Als ich das Ende der Strasse erreichte, kam mir ein schampar toller Name für eines meiner zahllosen ungeschriebenen Bücher in den Sinn: „Herr B. ging spazieren“ (Roman, Suhrkamp Verlag, maximal 300 Seiten, damit man es in 100 Jahren auch problemlos als kleines gelbes Reclambuch mit beigefügten Analysetexten und Erläuterungen veröffentlichen kann). Der Titel müsste auf dem Umschlag in Grossbuchstaben gesetzt sein, aber in kleiner Schriftgrösse, damit dem gebildeten und schönen Menschen mit Hochschulabschluss (also den Lesern dieses Blogs) gleich auffällt, aha, die vermeintliche Trivialität des Buchtitels ist nur Schein. Tatsächlich geht es um die ganz grossen Themen des Lebens, anfänglich geht ein Mann nur spazieren, aber am Ende mündet die Diegese entweder mit einer völkerverbindenden Message oder dem Atomkrieg. Denn wenn Herr B. spazieren geht, dann hat das weltpolitischen Einfluss.

In Gedanken wurde mein Buch gerade von Elke Heidenreich im Literaturclub mit Lobeshymnen und elitären Phrasen überschüttet, da erhob sich vor meinen Augen mein altes Schulhaus. Meine Teenagerzeit stand kolossenhaft vor mir, verkörpert in 70er-Jahre Architektur aus Beton und rotem Stahl, vielleicht auch Blech. Hallo Vergangenheit, lange nicht mehr gesehen. Minutenlang stand ich einfach nur da, lies die Szenerie und die damit verbundenen Erinnerungen auf mich wirken. Prüfungen, vergessene Hausaufgaben, folgenschwere Entscheidungen wie jene, ob man sich zwei Jahre mit Italienisch oder mit Latein als zusätzlichem Sprachfach herumschlagen sollte: meine persönlichen Skylla und Charybdis.

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Beflügelt von mir bisher glänzlich unbekannten sentimentalen Gefühlen entschloss ich mich, meinen Schulweg von damals abzulaufen. Ich überquerte die kleine Brücke über den Marchbach, welcher die natürliche Grenze des Schulareals diente und wo ich mal, um ein Mädchen zu beeindrucken (was sonst), mit dem Velo besonders nah an ihr vorbeifahren wollte und dabei auf meine noch jungen Knochen fiel. Vorbei an dem Gebüsch (ich schwöre es ist noch dasselbe!) wo ich meine ersten Erfahrungen mit Brennesseln gemacht habe („wenn du se unde ahlängsch tuets imfall voll nid weh!“ my ass) und schliesslich nach Osten, den Känelrain hoch. Als Promi würde ich wohl von einem Reporter der Schweizer Illustrierten begleitet werden, der mir lauter gefühlsduselige Fragen stellen und jedes Augenzucken als „Schatten der Vergangenheit huschten über seinen Blick“ deuten würde.

wiese

Weiter ging es vorbei an saftig-grünen, wiesenschaumkraut-verseuchten Feldern und allgemein schmerzhaft schöner Frühlingsidylle. Stellenweise musste ich mir die Szenerie durch die Kamera meines Smartphones filtern lassen, so grell bunt und detailliert war das alles. Ich schlenderte weiter und bog in die Vogesenstrasse ein, eine Strasse, welche mir früher unendlich lang vorkam und deren Ende ich nun nach sieben gemächlichen Minuten erreicht hatte. Überhaupt haben verkehrsberuhigte Quartierstrassen in Wohngebieten unter der Woche etwas surreales. Keine Menschenseele kreuzte meinen Weg, einmal zuckte ich sogar zusammen, als irgendwo ein Teppich ausgeklopft wurde. Alles in allem hat sich aber wenig verändert auf meinem Ex-Schulweg. Da und dort steht jetzt ein neues Haus und dort drüben markiert eine Plastikkuh im Garten den Eingang zur Buttertalstrasse. Zwar ist alles ein wenig kleiner geworden, dafür ich grösser. Ein guter Deal, wie ich finde.

kuh

Irgendwann kam ich wieder bei mir zuhause an. Bevor ich die Tür zu meiner Wohnung aufschloss, genehmigte ich mir noch eine Ladung Frühlingsluft. Sie roch nicht nach Atomkrieg. Glücklicherweise.

Dieser Text ist voller Liebe

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Unzählige Kommentare haben sich bei meinem letzten Blogeintrag beklagt, ich würde mich immer nur nerven und rummotzen und wassollichsagen, ihr habt natürlich Recht! Hier sind wir nicht im Bällchenparadies und schon gar nicht auf einem Ponyhof, hier gibts echte Gefühle aus den Tiefen des Verdauungstraktes direkt in eure Magengrube. Und echte Lügen, denn es gab natürlich gar keine unzähligen Kommentare, nur einen Vorschlag, ich solle mir Fliegengitter ans Fenster hängen. Fliegengitter! Nützt doch alles gar nichts, weil irgendwo finden diese summenden Mistviecher immer eine Ritze, alles schon versucht, meine Damen und Herren!  Vielleicht wäre ich auch besser gelaunt, wenn ich mehr Kommentare bekommen würde. Ein gelegentliches „made my day!“ würde wahre Wunder bewirken und mich in meiner persönlichen geistigen Entwicklung ungemein vorwärts bringen, ganz zu schweigen von selten gelesenen aber immer gern gesehenen Spenden-, Kuchen- und Paarungsangeboten.

Vielleicht liegt es auch an mir, vielleicht sollte ich anfangen, hier mehr Liebe zu verbreiten, mehr virtuelle High-Fives, vielleicht sollte ich anfangen, ganzen Bevölkerungs- und Berufsgruppen zu danken, einfach, weil sie existieren. Dem Obdachlosen zum Beispiel, der neulich im ÖV die Abwesenheit meiner Ohrstöppsel völlig korrekt als Interesse an seinen Verschwörungstheorien deutete, die Schweiz sei nämlich alles andere als neutral, wer das glauben würde, der glaube auch an den Osterhasen und könne genausogut nach Hause gehen und sich eins wichsen. Danke, namenloser ungewaschener Fox Mulder-Verschnitt! Die Welt wäre ohne dich ein viel ärmerer Ort, vill Liebi! Oder was würde ich tun ohne die penetrant untalentierte Tramsängerin, die just in dem Moment ihre….“Version“ von „La cucaracha“ schmettert, wenn sich die automatischen Türen zur trommelfellfreundlicheren Freiheit nur noch mittels rotem Notfallhebel öffnen lassen? Die einen ganzen Tramwagen als Rassisten beschimpfte, weil wir Zweifel an ihren potentiellen Voice-of-Switzerland-Ambitionen äusserten und diese auch nicht in irgendeiner Form finanziell unterstützen wollten? VILL LIEBI AUCH DIR!

Viel Liebe gebührt auch all den Kunden, die ihre Daten auf exotisch-geformten USB-Sticks vorbeibringen. Da können die Kunden natürlich meistens nichts dafür, trotzdem frage ich mich: woher habt ihr diese cheiben-unpraktischen Teils eigentlich her? Beim Elektrodiscounterfachhändler sehe ich jeweils immer praktische, dem aktuellen gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechende länglich-schlank geformte Sticks, trotzdem scheint irgendwo ein sadistischer Dödel einen Heidenspass daran zu haben, hirnrissige Designkonzepte für USB-Sticks zu entwerfen. Da wäre mal der androgyne Stick fürs Schlüsselbund, den man beim anschliessen festhalten muss, weil sonst die 5 Kilogramm an Schlüsseln und Hello-Kitty-Bling-Bullshit ihn gleich wieder vom Anschluss plumpsen lassen. Was auch gerne mitten im Kopiervorgang geschieht, weshalb der Aneroxstick, wie ich ihn nenne, die unsichtbaren Daten traurig auf den Fussboden kötzelt, bevor man ihn aufliest und einen weiteren Versuch der Datenentnahme starten kann. Aneroxstick hat selbstverständlich auch ein fettes Gegenstück, den Fressstick. Den finden viele User uhmegalässig, weil er meist ein sehr handfreundliches, formauffälliges Design aufweist, das man schlecht übersehen kann. Das Verlieren eines Fresssticks ist quasi unmöglich. Unmöglich ist es jedoch auch, den Fressstick an einen USB-Anschluss anzuschliessen, ohne sämtliche benachbart-angeschlossene Peripherie vom Computer zu entfernen, weil der Fressstick macht sich gerne breit. Was auch mal dazu führt, das man den Fressstick zwar anschliessen aber dann nicht mehr draufklicken kann, weil der treuen USB-Maus temporäre Zwangsarbeitslosigkeit aufgebrummt wurde. Drum vill Liebi auch an euch, ihr mutigen USB-Stick-Designer jenseits des Mainstreams. Ihr bringt die Gesellschaft voran!

Soviel Liebi in einem einzigen Blogpost. Schlimm, oder? Finde ich auch. Also lassen wir doch das in Zukunft lieber. Aber unter uns: euch Leser mag ich natürlich schon, egal ob ihr schlecht singt oder grenzwertige Speichersticks euer eigen nennt. Drum zum Schluss noch ein vollends ehrlich gemeintes „vill Liebi“.

Und jetzt schreibt gefälligst Kommentare, tammi!

Hybris

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snowman6Ich nerve mich. Und wenn ich mich nerve, führt das unweigerlich zu einem neuen Text. Da ich in letzter Zeit nicht so viel geschrieben habe, spricht wohl für meinen aktuellen Nervenhaushalt. Aber jetzt nerve ich mich. Und darum gibts jetzt diesen Text. Weil ich mich nerve, und zwar ab all den Leuten, die sich momentan auf Frühling und Sommer freuen. Nicht falsch verstehen, ich freu mich ja auch, irgendwie. So zur Hälfte. Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust, um mal gleich im ersten Abschnitt Goethe zu zitieren, respektive seine Faust. Aber genug der Literatur für heute, jetzt gehts hier weiter mit meinem Text.

Ihr freut euch also auf den Sommer. Wohlverstanden ohne das wir uns hier im beinahe-Flachland in den letzten fünf Monaten überhaupt auch nur an einem Flöckelchen Schnee erfreuen durften. Trotzdem wird eifrig Fasnacht gefeiert und der Winter vertrieben. Breaking News, Altä: Er war gar nie hier, der Winter! Nun freut man sich offenbar aufs deutsche Grillen oder schweizerische Grillieren (beides wird mir im September zum Hals raushängen, sag ich euch), aufs allgemeine draussen essen (lauter rumschwirrende Viecher inklusive, yay) und aufs schlafen bei offenem Fenster (lauter rumsummende Viecher inklusive, yay). Wobei die Viecher ja jetzt schon da sind, wie ich bei einer neulichen abendlichen Lüftungsaktion in meiner hell erleuchteten Wohnung feststellen durfte. Die drei Falter schwirren vermutlich jetzt noch rum und machen sich über meine gesammelten Chips- und Schwippschwappvorräte her, weil ich zum Zeitpunkt der Falterinvasion in völliger Schockstarre über die Tatsache verharrte, das im tiefsten März hierzulande überhaupt irgendetwas herumfliegen kann.

Denn das wirklich schöne am Winter ist es doch, an einem grauen Samstagnachmittag im beheizten Wohnzimmer zu sitzen und nach draussen in die verschneite Landschaft zu blicken und…nichts zu sehen. Absolutreingar…NICHTS. Weil alle Nicht-Haustiere entweder ins Sommer- bzw. Dschungelcamp ausgeflogen sind oder fleissig winterschlafen, begraben unter einem weissen Leichentuch. Und man lehnt sich zurück mit einer heissen Tasse Earl Grey Lime-Tee, zufrieden mit sich und der Welt, denn man weiss: heute verpasst man überhaupt nichts. Das löst ein Gefühl der Gelassenheit, der Langeweile aber auch der Ruhe aus, was man zugegebenermassen auch täglich beim Abendprogramm auf SRF verspüren kann.

Aber ich seh schon, ich stehe mit meinen Gefühlen für den Winter völlig alleine da, während alle Welt um mich herum sich auf Grillwürste, laue Sommernächte, die Fussball-WM, kühles Bier, Ferien und junge Frauen in Bikinis freut. Und dummerweise fällt mir bei dieser Aufzählung auf, das ich das auch tue. Was mir irgendwie die Luft aus den metaphorischen Segeln nimmt, denn ich wollte doch erhellende Einblicke bieten, neue Ansichten auf den casus humanus darlegen und diese mit meiner persönlichen Hybris verknüpfen.

Ein andermal vielleicht, ich muss jetzt raus, die Sonne geniessen.

Write-off, Round 2: Zum Vergessen.

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Mühsam. Eigentlich hätte dieses Write-off Konstrukt nur eine einmalige Sache sein sollen, praktiziert aus reinem selbstlosen Goodwill. Und damit es auf Eves Blog auch mal was Vernünftiges zu lesen gibt. Höhöhö. Und doch wurde ich anfangs Januar, noch in frühjährlicher Unschuld energisch angeschrieben, das wir mal wieder einen Film besprechen müssen. Ich knurrte irgendwas grammatikalisch inkorrektes und orthografisch undefinierbares und drehte mich metaphorisch auf die andere Seite des kuscheligen Social-Network-Bettes. Was wenig half. „Es liest doch eh niemand!“ maulte ich rum, was ich besser nicht gesagt hätte, denn was folgte war eine Standpauke über meine Schreiblingsehre, man texte schliesslich nicht für die Leserschaft, sondern irgendwie auch für sich selbst und ansonsten zumindest für die nachfolgenden Generationen, welche (zumindest meine) Genialität erst erkennen, wenn ich schon lange bei den Würmern bin, wie das bei allen grossen Künstlern halt so ist.

Das half, irgendwie. Ich spürte, wie einige kümmerliche Krümelchen Motivation auf mein Ego trommelten, und wie das Trommeln wiederum in den entferntesten Ecken meines Körpers wiederhallte, schliesslich zu einem rhythmischen Pochen wurde, welches mich dazu bewog, die Augen aufzuschlagen und da sass ich schon an einer Tastatur und…schrieb. Also, nachdem ich meine E-Mails gecheckt und das Blick-Girl des Tages begutachtet hatte.

Diesmal fiel mir die zweifelhafte Ehre zu, selber einen Film auszuwählen. Natürlich plädierte ich für einen richtigen Männerfilm, mit Blut, Zombies und Titten. Aber das kam für mein Schreibgspönli nicht in Frage, also musste ich etwas auswählen, was ich, so ihre Aussage, selbst mit meiner Grossmutter noch schauen würde. Also wählte ich Tom Cruise’s letzten Ausflug ins Saifai-Genre namens „Oblivion“. Meine Grossmutter würde wohl zwar bei der Handlung höchstwahrscheinlich nur Bahnhof verstehen, aber immerhin hätte sie Tommy Cruise als Augedäääfeli. (Ich muss ab sofort hier und da ein paar Basler Dialektwörter einstreuen, um den Lokalkolorit-Anteil zu steigern und mich so von der Zürcher Blogosphäre abzugrenzen. Meine Sponsoren wollen das so.)

Aber kommen wir doch zum Thema: „Oblivion“ kam im Frühling letzten Jahres in die Kinos und ist eigentlich wie „Wall-E“ mit Tom Cruise als Aufräumroboter. Die Handlung spielt irgendwann in der Zukunft: Bei einem verheerenden Krieg gegen ausserirdische Invasoren ging die Menschheit als Sieger hervor, jedoch wurde die Erde erheblich in Mitleidenschaft gezogen, weshalb es nun überall so aussieht wie auf Island, wo ein Grossteil der beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des Films enstanden. Hätte also schlimmer kommen können. Trotzdem sind die überlebenden Menschen bereits zum Saturnmond Titan weitergezogen oder leben auf der im Erdobit schwebenden Raumstation Tet. Diese überwacht den Abbau verbliebener Ressourcen, welche für den Neuanfang auf Titan gebraucht werden, mittels kugelförmiger Flugdrohnen und Jack Harper (Tom Cruise) ist dafür zuständig, ausgefallene oder beschädigte Drohnen zu reparieren. Weil man dem Zuschauer heute nicht mehr zutraut oder zumutet, das Szenario selber im Laufe des Films zu entschlüsseln, erzählt Jack einem die ganze Vorgeschichte gleich in den ersten fünf Minuten, was jetzt schon ein wenig schade ist, irgendwie. Zusätzlich erwähnt Jack noch nebenbei, das ihm regelmässig das Gedächtnis gelöscht wird, damit er im Falle einer Gefangennahme durch die verbliebenen, auf der Erde verstreut lebenden Aliens keine wichtigen Informationen weitergeben kann. Womit mir der Film an dieser Stelle regelrecht entgegenschreit „NICHTS IST SO WIE ES SCHEINT! DU WIRST DICH NOCH WUNDERN! HAHAHAHA!“ so dass ich vor Schreck die Kuscheldecke vors Gesicht halten muss.

Was man nicht tun sollte, denn meine Güte, sieht das alles gut aus! Diese Bilder! Ein postapokalyptischer Ruinenporno mit einer Prise Applestore. In Sachen Optik ist der Film sehr gelungen und hält das anfänglich etablierte Ästhetikniveau bis zur letzten Minute. Aber zurück zum Plot, den ich hier möglichst spoilerfrei wiedergeben möchte, denn so viele haben sich den Film laut Einspielergebnis ja auch nicht angesehen. Jedenfalls IST NICHTS SO WIE ES SCHEINT und Jack kommt dem ganzen auch nach und nach auf die Schliche. Dabei unterhält der Film auch abseits der Optik, die Dialoge erfüllen ihren Zweck, ohne jetzt gleich Diskussionsstoff fürs Literarische Quartett zu bieten und die Handlung ist zwar aus diversen, manchmal auch besseren Filmen der letzten Jahre zusammengeklaut (ganz offensichtlich: „Moon“ und das Computergame „Portal“) bleibt aber trotz dem einen oder anderen kleinen Hänger spannend.

Natürlich könnte man speziell am Ende den Film auseinandernehmen und einige düpflischisserige Fragen stellen, die allesamt beginnen mit „Wie konnte…“ sowie „Warum ist“. So jemandem würde ich, sollte ich diesem Jemand je begegnen, ganz einfach antworten mit „Deshalb“. Weil einem im richtigen Leben auch nicht alles einfach so erklärt wird. Und wenn dann doch alles erklärt wird, dann ists dann wieder nicht recht, weil man alles vorgekaut bekommt. Wie auch immer: „Oblivion“ ist zwar eine ganze Ecke davon entfernt, ein „thinking man’s sci-fi“-Film zu sein, aber immerhin ist es nur eine Ecke und nicht ein ganzer Strassenblock. Und hübsch aussehen tut er auch. Nicht nur bei der Poolszene. Darum reicht es für grosszügig-wohlgesonnene dreieinhalb von fünf Apokalypsen.

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Nun folgt die weibliche Sicht der Dinge. Achtung, sie ist reich an Spoilern!

Es ist wieder einmal so weit. Nach dem letzten Write-Off wurde ich dieses Mal herausgefordert, etwas aus der Frauensicht zum 2013- Film „Oblivion“ zu schreiben. Be careful what you wish for ;). Zuerst die Frauensicht. Dann die Männer.

Let’s get ready to rumble.

Oblivion. Erkenntnisse über einen unlogischen Frauenfilm.

Popcorn – check. Winnetou Wasserglace – check. Uhrzeit – 14:15. Ladies & Gentlemen, die Zeit, wenn Eltern ins Kino gehen. Dann nämlich, wenn der Nachwuchs friedlich in der Krippe spielt und man sich 1 Mal im Jahr einen Tag frei nimmt, um einfach mal am Nachmittag ins Kino zu gehen. Natürlich steigt bei so einem seltenen Event dann auch ein bisschen der Anspruch an das, was man im Kino sehen wird. So geschehen an einem ganz normalen Montag, im vergangenen Jahr 2013. Significant Other hatte den Film ausgesucht („Jetzt gömmer mal wieder en Männerfilm go luege!“) und bis auf Tom Cruise, der bereits prominent vom Filmplakat runterschaute, versprach Oblivion ja ganz gute Unterhaltung. Vor allem weil Game of Thrones‘  Leckerli Nikolaj Coster-Waldau auch drin vorkommen sollte, wie man auf Cineman schon vor dem Film nachschauen konnte – nun gut.

Lichter aus, den Rücken ganz fest ins weiche, rote Polster gedrückt und ab ging die Fahrt in eine Sci-Fi Welt in nicht allzu ferner Zukunft. „Du was heisst scho wieder Oblivion…?“ – „Ich han kei Ahnig, irgendwas mit Vergesse. Jetzt lueg de Film!“ Im Nachmittagskino braucht man solche Fragen nicht leise zu flüstern. Denn es ist kein. Schwein. dort.

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Auftakt Oblivion – Tom Cruise alias Jack („…heisst er eigentlich jetzt in jedem Film Jack?“ – „Nei. Lueg de Film.“) wohnt mit seiner „Partnerin“ Viktoria (Vika) hoch oben in den Wolken in einem futuristisch modernen Appartement, inklusive Aussenpool, auf welchen so mancher Mittelmeerurlauber neidisch wäre. Sein Auftrag: Dabei mitzuhelfen, die restlichen Ressourcen der Erde, die noch übrig, sind vor den Plünderern zu bewahren. Denn offenbar ist die Menschheit nach einem Kampf gegen Aliens von der Erde geflüchtet und lebt nun über den Wolken (auf einem Mond und auf Tet,  dazu später). Von unserem Mond, wie wir ihn kennen, ist wenig übrig, denn ihn haben die Aliens grad zuerst kaputt gemacht, und damit schreckliche Tsunamis etc. ausgelöst. Mond futsch – Superwelle – Alien Invasion. Menschheit 0: Aliens : 1. Offenbar versuchen die Menschen aus der ramponierten Erde nun noch die letzten Ressourcen zu bergen, für ein Leben über den Wolken, für den Neuanfang. Einge Menschen haben die Mission dabei zu helfen. So auch Mister Cruise. Als Jack fliegt er nun tagtäglich gecoached von Vika („…weisch was heisst das uf Finnisch? Fehler.“ – „Mhhh. Wetsch nöd au de Film luege?“) mit seinem supercoolen Fluggerät durch die Gegend und repariert Drohne um  Drohne, dass es nur so eine Freude ist.

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Alles läuft super bis Jack scheinbar ein Lichtlein aufgeht und er seine Mission in Frage stellt. Spätestens, als er der geheimnisvollen  Julia  (yeah, Olga!) begegnet. Denn diese outet sich als seine Ehefrau. Hoppala! Uhrzeit: 14:45. „Du, ich glaub das isch doch kein Männerfilm. Ich glaub das isch so zimmlich DÄ Frauefilm.“ Zu diesem Zeitpunkt grummelt es bereits leise zu meiner Rechten, als Jack Julia mit ins Wolkenappartement mit nimmt und Vika wie erwartet ein bisschen gereizt auf die Konkurrentin reagiert. Ab da ist die Geschichte von Oblivion, dem Frauenfilm, rasch erzählt.  Inklusive vieler vieler Unklarheiten. Jack hat nun immer mehr Flashbacks und die Erinnerungen an alte Zeiten lassen ihn nicht mehr los. Er glaubt auch immer stärker an die Theorie, dass die verbliebenen Plünderer auf der Erde keine Aliens sind. Als dann nach der Pause auch noch der Rest des Casts mal auftaucht (Morgan Freeman so lang warten zu lassen, ist ja eigentlich die grösste Verschwendung. Und Coster-Waldau hat definitiv zu wenig Text, sieht aber signifikant besser aus als Jaime in Game of Thrones – immerhin. ) wird endlich obvious was in Oblivion so lange angedeutet wird. Freeman und Co. sind die letzten hartnäckigen Überlebenden auf der Erde, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, TET (das tetraederische Ungetüm, welches am Himmel prangt) zu zerstören. Genau in diesem TET hockt das Oberalien, welches zu verantworten hat, dass der Mond nun so aussieht wie angeknabberter Emmentaler und die Erde ressourcentechnisch fast kein Fleisch mehr am Knochen hat. Dieser „Sally“ soll es nun an den Kragen gehen. Ach ja – Jack erfährt durch Zufall auch, dass es ganz viele weitere Jack und Vika Klone gibt, die exakt dieselben Leben führen, wie er es vor kurzem getan hatte. Marionetten, von Sally gesteuert, die Erinnerungen der Original-Jack’s und Vikas natürlich gelöscht. Aber ir-gend-wie hatte Sally im Kurs „Gedächtnisse von Klonen löschen leicht gemacht“ einen Fensterplatz. Denn Jack erinnert sich immer stärker an seine (seine? Nein, nicht seine) Vergangenheit mit Julia. Zudem war alles, was man Jack und Vika erzählt hatte Lug und Trug: Die Menschen „wohnen“ nicht auf TET und in den Wolken, sondern nur Sally trohnt in TET und ihr dürstet es nach Rohstoffen. So far so good.

To make a long long LONG story short: Jack bringt Julia an einen sicheren Ort (so ein romantisches selbstzusammengenageltes Häuschen am See, man könnte meinen es wäre in Kanada oder so), verbringt ein paar romantische Stündchen mit ihr und bricht dann wieder auf, um die Menschen zu unterstützen. Man ahnt schon, was da noch kommt. Unterdessen hat Vika schon lange Verdacht geschöpft, ist  ja auch gemein, fliegt der Tom mit Olga einfach alleine los. Der Zickenkrieg wird allerdings dadurch beendet, dass Sally Vika auf deren Verdacht hin, etwas sei nicht mehr in Ordnung, umbringen lässt.  Und man ist ehrlich froh, hört man Vika NIE WIEDER auf Sallys tägliche Frage ins Kontrollzentrum („Sind Sie und Jack immer noch ein effizientes Paar?“ ) antworten „Ja, wir sind noch  immer ein effizientes Paar.“ Am Ende schaffen es die Rebellen von der Erde plus Jack gemeinsam zu Sally in TET hinein (unbemerkt, notabene), da Jack vorgibt, Julia auszuliefern. Tatsächlich bringt er Morgan Freeman mit und Sally geht hops – und damit auch jegliche Kontrolle über die Drohnen auf der Erde und jene, die sie repariert und gepflegt haben. Leider geht auch Jack hops, aber keine Sorge. Auf Julia warten im besten Fall ja etwa 1000 weitere Jacks. Einer davon schafft es in der Schlussszene 3 Jahre nach Jacks Tod sogar zu der ach so geheimen Hütte am See, wo Julia mit ihrer kleinen Tochter spielt. An dieser Stelle Hallelujah, dass man im Notfall die leeren Popcorntüten auch als Gefäss für Anderes gebrauchen kann, ähnlich wie im Flugzeug. Denn schnulziger und unlogischer kann ein Film nicht mehr enden.

Auch wenn ich nach der Pause munter in Wikipedia diverse (!) unlogische Dinge nachgelesen hatte, bleibt immer noch eine Tonne an ungelösten Rätseln, die Oblivion einem aufgibt.

  • Wie genau soll das gehen, dass die gelöschten Gedächtnisse einiger Klone dann plötzlich doch wieder funktionieren?
  • Warum in aller Welt sucht der Klon aus der letzten Szene die Hütte auf (oder hat der irrtümlich das aktuelle Gedächntnis seines Klon-Bruders stibitzt?)?
  • Warum haben Julia und die kleine Tochter (ja genau. 3 Jahre allein in der Wildnis. Ohne PDA. Und Kaffee.) dort gewartet? Niemand wartet und wartet und wartet einfach so irgendwo ohne jemanden. Nicht ohne Kaffee.
  • Und last but not least: Warum in aller Welt verfügt  die so hochintelligente Alienobermaschine Sally nicht über ein simpel einfaches Flughafen-like’sches Scan-Gerät, mit dem sie erkennt, wer sie da besuchen kommt in TET? Seriously. Sackmesser und Korkenzieher geben wir auf dem Flug nach Barcelona ab. Aber man kann einfach so mit einem Sarg und einer anderen Person in ein Raumschiff eindringen. Ja genau.

Aber ich sehe schon. Diese Fragen werden wohl für immer und ewig offen bleiben. Ausser mein Write-Off Herausforderer hat sich per Zufall gerade diesen Fragen und ihrer Beantwortung gewidmet – aber ich denke nicht. Ich vermute viel eher, dass er  (und das wäre aus Männersicht ja auch ganz legitim) ziemlich lange gedanklich bei der Anfangsszene hängen geblieben ist. Die, wo Vika nackt in den Wolkenhauseigenen Pool springt. Ja, ein hübscher Rücken kann entzücken. Und er kann auch davon ablenken, dass man als Mann 120min in einem Frauenfilm hockt. Ich wünschte nur, man hätte von Coster-Waldaus Rückenansicht ebenso viel mitbekommen. Dann könnte ich sogar alle meine offenen Fragen vergessen. Glaube ich. 😉 

Oblivion kriegt deshalb 2 von 5 Sternen. Und einer geht ganz klar an ihn hier.

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Zeit für ein Fazit, diesmal von einem gewissen Herr S., der aus naheliegenden Gründen anonym bleiben will:

Die Länge ist nicht entscheidend, wie der Volksmund bekanntlich behauptet. Wäre sie es, würde Frau Hipeli diesen „Write-off“ mit einer noch nie dagewesenen Überlegenheit für sich entscheiden. Bähler sähe nur noch ihre virtuellen Rücklichter, sie würde ihn in den Boden stampfen, bis ihm seine Basler Dialektfloskeln zu den Ohren rausquellen (Konjunktiv: rausquälen) würden. Er würde sich winselnd vor ihr auf die Knie werfen und um Gnade flehen – die sie ihm natürlich, Frau wie sie ist, nicht gewähren würde.

Aber eben: Die Länge allein macht’s nicht. Diese für viele von uns aufmunternde Erkenntnis – die sich durchaus auch auf textuelle Erzeugnisse anwenden lässt – scheint sich allerdings noch nicht bis in die nördlicheren Gefilde unseres Planeten herumgesprochen zu haben. Hipeli jedenfalls knallt einem die Filmstory in einer derart epischen Länge um die Ohren, dass manchem Leser hören und sehen – einigen vielleicht auch das Lesen – vergeht. Aber nicht so dem treuen Kommentator: Von Spannung getrieben liest er Hipelis Filmkritik zu Ende, immer in der Hoffnung, endlich die Übersetzung für das finnische Wort „Vika“ zu erhalten. Fantasievoll wie er ist, hat er natürlich eine Ahnung, allein die Gewissheit fehlt. Aber aus Gründen der dramaturgischen Kontinuität verrät Hipeli die Übersetzung nicht – die Auflösung folgt vermutlich im nächsten „Write off“. Ihre Filmwertung – 2 von 5 Sternen – lässt sich aufgrund der scheinbar doch recht unlogischen Handlung nachvollziehen. Und natürlich aufgrund der Tatsache, dass Tom Cruise mitspielt.

Im Kontrast dazu ist Bählers Storytelling kurz und prägnant. Er thematisiert ästhetische Filmaspekte, wo Hipeli sich im Stellen unwichtiger Fragen verliert…Eine klare Sache für Bähler also? Mein Kumpelgen schreit: „Klare Sache Alter, gib‘ dem Basler den Sieg und schmeiss‘ das nächste Bier rein!“ Worauf der Gentleman in mir erwidert: „Aber auch Frau Hipeli hätte den Sieg verdient, hat sie sich beim Verfassen der Kritik doch sichtlich mehr Mühe gegeben! Ihre Fragen sind zudem durchaus ääääh…interessant! Und zudem hat sie Familie!“

„Bros before hoes“, wie einige der primitiveren Zeitgenossen unter uns jetzt wohl sagen würden. Selbstverständlich goutiere ich diesen Machospruch in keinster Weise, das Endergebnis ist hingegen dasselbe. Bähler 1, Hipeli 0.

Pro Internet

Standard

Beim samstäglichen Einkaufen kann man sich herrlich aufregen. Sei es über die vielen älteren Semester, die postpensionär ihre Komissionen selbstverständlich am Samstagvormittag tätigen und bei der Kasse „mit Münz“ bezahlen, sei es über die glücklichen jungen Paare, die mir schon deshalb auf die Eier gehen, weil sie glückliche junge Paare sind. Wovor es mir aber wirklich graut zur Zeit ist das frühere Einkaufszentrum meiner Wahl. Ich schreibe absichtlich „frühere“ weil es momentan kein Spass mehr ist, dort einzukaufen. Wobei einkaufen ja selten ein Spass ist, aber jetzt ist es halt gar kein Spass. Zero. Weil dort nämlich umgebaut wurde. Die Konkurrenz hatte ein Jahr davor eine Strasse weiter einen fussballfeldgrossen Riesenkonsumtempel hingestellt, wo man eigentlich nur hingehen sollte, wenn man mal Lust drauf hat, einige Stunden ziellos durch bunte Regalschluchten zu wandern und dann mit allem möglichen Zeug rauszukommen ausser dem, was man ursprünglich kaufen wollte. 

Nun zog das frühere Einkaufszentrum meiner Wahl gleich, musste raumtechnisch aber Kompromisse eingehen. Trotzdem kann man dort nun auch wie bei der Konkurrenz herrlich stundenlang umherirren und nach allem möglichen Zeug suchen, weil die Regalanordnung und -befüllung mit einem herzhaften Schuss Unlogik geplant wurde. Weil es dem Kunden ja einen Riesenspass bereitet, mit vollen Einkaufstaschen von A nach B zu torkeln und dabei, Adventszeit sei Dank, von einem lustig bimmelnden Samichlaus verfolgt zu werden, der sich ein besserwisserisches „Hättet sie halt es wägeli müesse näh, denn tuets nochhär nid e so weh in de Ärm! Ho-ho-ho!“-Bonmot nicht verkneifen kann. ICH HOLE DIR GLEICH EIN WÄGELI, UND ZWAR EIN GELBES!

In der Elektronikabteilung hatte ich den bärtigen Besserwisser endlich abgehängt und durfte mich an der Riege ahnungsloser Eltern erfreuen, die ihren Kindern „dieses Computerspiel“ kaufen wollen, „wo man sich bewegen muss“. Nach dieser mit beispielhafter Abwesenheit jeglicher wissenschaftlicher Präzision geäusserten Formulierung sind die beiden dann einigermassen schockiert über den Preis von Spielkonsole plus Bewegungssensor und hängen noch die Frage an „300 Franken? Und da kann man dann nur so tanzen damit?“ und da entdeckte ich glücklicherweise auch schon eine freie Kasse und entfernte mich schleunigst vom Ort der Negativ-Medienkompetenz. Man stellt halt offenbar auch heute noch dem Verkaufspersonal lieber dumme Fragen, als sich mal kurz vorher zehn Minuten der Internetrecherche über die Hobbies des Nachwuchses zu widmen. 

Apropos Internet: mal sehen, was diese Onlineshops von Coop und Migros so taugen. Weil, ich weiss nicht, ob ich mir die offline-Nahrungsmittelbeschaffung in meinem Alter noch jeden Samstag antun will. Und kann.

WRITE-OFF!!! Round 1

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Einleitung

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass sich der heutige Beitrag von den restlichen unterscheidet. Es ist ein gemeinsames Werk von mir und einer Blogkollegin, ein so genannter „Write Off“ (die Liebhaber von Zoolander können sich vielleicht schon etwas darunter vorstellen). Der Begriff „Write Off“ ist dem berüchtigten „Walk Off“ aus dem Film „Zoolander“ entlehnt – ein grossartiger Streifen  – und ist nicht zu verwechseln mit einer ökonomisch gemeinten Abschreibung (hier wird nicht abgeschrieben!). 

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Es geht darum, dass sich dort zwei Male Models einen Wettbewerb auf dem Catwalk liefern. Walk Off eben. Der Write Off ist ein wenig dasselbe, nur dass hier Worte und Bilder zählen und nicht Muskeln oder Victorias Secret Attribute.

  • Im Write Off zeigen zwei Schreibparteien, was sie von einer Sache halten.
  • Der Write Off ist eine Art Gastbeitrag und gleichzeitig ein freundschaftlicher Schreibwettbewerb.
  • Die Inhalte der zum Write Off antretenden Partei finden sich deshalb auch auf der folgenden Seite: http://undschonwiederschreibtsie.blogspot.ch
  • Es wird ein Thema gewählt, über welches beide Teilnehmer schreiben.
  • Am Ende übernimmt eine unabhängige Person die Rolle des Schiedsrichters. Und weil David Bowie grade sehr beschäftigt ist, übernimmt dies für diesen Write Off die ehrenwerte Frau R. – Applaus!

Den Anfang macht in genderkonformem blau Herr B. in der linken Ecke, ohne Mundschutz und mit blossen Händen schreibend. In dezentem dunkelpink in der rechten Ecke dann anschliessend die Autorin dieser Seite, mit Stulpen schreibend, weil es momentan so elend kalt ist.

Das Thema: Beinahe-Filmklassiker,aus der Sicht der Männer und der Frauen interpretiert. Heute: „Bridget Jones“.

Die Männersicht. Also MEINE:

Blogkollegin (oder Bloggollegin) Eve hat mich aufgefordert, einen Film zu rezensieren und diese beiden Meinungen dann im Rahmen eines innovativen „Write-Off“ auf ihrer und meiner Blogseite zu posten. Ich weiss nicht, woher sie solche Ideen hat, auch der martialische Begriff des „Write-Off“ war meinem friedliebenden Gemüt gänzlich unbekannt. Gegen Filmrezensionen habe ich natürlich gar nichts, im Gegenteil, ich liebe Filme, und wenn sie mir nicht passen, dann liebe ich es, sie auseinander zu nehmen.

Natürlich will ich als Filmrezensent tadellose Arbeit abliefern. Dabei ist es wichtig, dass die Umgebung, in der das Filmgut konsumiert wird, möglichst idealen Bedingungen entspricht. Beispielsweise sollte die Raumtemperatur und die Luftqualität genregemäss angepasst sein: bei einem Horrorfilm sollte man stets ein leichtes Frösteln verspüren, ein Historienepos sollte man sich in einem seit Tagen ungelüfteten Raum und in dezent schweisselnden Klamotten zu Gemüte führen, einen erotischen Thriller bei Raumtemperaturen über 30, einen Science Fiction-Film dagegen bei unter Null Grad. Schliesslich ist es scheisskalt im Weltraum und da hört einen auch niemand schreien, also bindet man sich am besten zusätzlich noch einen schalldichten Mundschutz rum. Wenn also mal jemand einen erotischen Mittelalterthriller mit Zombies im Weltraum drehen sollte, dann gute Nacht.

Glücklicherweise erforderte der ausgewählte Film keinerlei solche Massnahmen: „Bridget Jones‘ Diary“. So ein Frauenfilm halt. Verstohlen dimme ich das Licht, schliesse die Jalousien und warte zwei Stunden, bis auf der gegenüberliegenden Strassenseite alle Lichter aus sind, da fällt mir erst die Überflüssigkeit meines Tuns auf, denn der letzte Damenbesuch ist schon Jahre her und deshalb denken sowieso schon alle Nachbarn, ich wäre schwul.

Ich genehmige mir einen heissen Tee („Earl Grey Lime“, es ist ja ein englischer Film), fülle mir eine Schale mit M&Ms und bette mich in meinen Sitzsack, einem echten Interio, Baujahr 2008. Ich bin der Meinung, dass Sitzsäcke die bestmögliche Sitzgelegenheit darstellen. Dabei ist es von ausgesprochener Wichtigkeit, dass der Sitzsack wirklich auch die Form eines Sackes hat. In den letzten Jahren haben zahllose fehlgeleitete Designköpfe versucht, den Sitzsack in seiner divinen Form zu beeinflussen, ihn sesselähnlicher zu gestalten. Narren, sage ich! Don’t mess with perfection, wie der Brite zu sagen pflegt. Mein Sitzsack ist so, wie ein Sack sein sollte: anpassungsfähig an den Körper des Be-Sitzers und gefüllt mit vielen kleinen Styroporkügelchen, welche in liebevoller Einzelherstellung auf den nackten Schenkeln junger Kubanerinnen zusammengeröllelet wurden.

Aber kommen wir doch zum Film. Die titelgebende Bridget Jones ist 31 Jahre alt, ist Single (OH MEIN GOTT!) und hat so eine typische Engländerin als Mutter, hager, mit ein bisschen eingefallenen Wangen und Habichtblick. Also wie die von Andy Murray, aber in nett. Jim Broadbent spielt ihren etwas schrulligen Vater und immer wenn ich Jim Broadbent sehe, werde ich unangenehm an den vierten Indiana Jones erinnert, an den ich mich eigentlich wirklich nicht erinnern will. Jedenfalls will die Bridget-Mutter ihre Tochter verkuppeln mit dem Sohn der Darcys, aber der Sohn der Darcys trägt einen gestrickten Rentierpulli und kommt deshalb nicht in Frage, also tauscht Bridget mit ihrem dandyhaften Chef versaute E-Mails und landet mit ihm im Bett, nur um später von ihm betrogen zu werden.

bridget

Dann stellt sich heraus, dass Rentierdarcy doch kein übler Kerl ist, sondern eigentlich saulieb, dann kommt aber der Dandychef dazwischen und er und das Rentier prügeln sich very british und dann will Rentierdarcy eigentlich nach New York und da eine Kollegin heiraten, gerade als Bridget ihm ihre Liebe gesteht. Bridget flennt und hört dazu „out of reach“ von Gabrielle und an dieser Stelle bekommt der Film von mir minus 10 Sympathiepunkte, dann bleibt Darcy aber doch da. Happy End.

Ach war das schön! Auch wenn es wieder so ein Film ist, der uns Männern weiss machen will, die Frauen wären die Opfer, dabei ist es doch in der Realität genau andersrum. Trotz des Geschlechtsunterschiedes, der Kettenraucher- und Säufereigenschaften (also bei Bridget, nicht bei mir) konnte ich mich gut in sie hineinversetzen. Natürlich gibt‘s einige facepalm-Momente, natürlich ist‘s stellenweise arg zuckergussig, aber der Film hat Herz.

Ich vergebe also ganze drei von vier durchgeheulten Taschentüchern, bevor ich mich daran mache, meinen Testosteronspiegel wieder aufzufüllen.

Mit Bier und Fussball. Rülps.

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…und noch bevor der Widerhall dieses Rülpsers in unseren Ohren verklingt, fahren wir fort mit der weiblichen Perspektive der Dinge.

Die Frauensicht.

Ich schaue ja wenig so genannte „Frauenfilme“ aber Bridget Jones musste einfach sein – nach den Büchern erst recht. Deshalb verzichtete ich jetzt darauf, ihn wie Herr B. noch einmal anzuschauen und nachzuerzählen. Mein Vorschreiber hat da ganze Arbeit geleistet. Aber: für diesen Write-Off  zog ich mir sämtliche Erinnerungen aus der Vergangenheit in die Gegenwart und schreibe den Write-Off gestärkt mit einer Tasse Rotwein (ich habe gehört, auch in England gibt es Rotwein). Mit der grossartigsten Szene  des gesamten Fillmes im Kopf – jener, wo Bridget sich überlegt, ob sie nun einen sexy Schlüpper anziehen soll (welcher im Fall einer Eroberung Cleavers sich gut machen würde) oder eher die Oma-Spanx (mit welcher die Chancen, DASS sie Cleaver abschleppt erhöhen) – stelle ich die zuvor bereitgestellten Smarties zur Seite. Irgendwie ist mein Appetit doch nicht so gross gerade.

spanx

Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück und Vodka gerne mal den Tag hindurch immer wieder! Die Frau zieht sämtliche Fettnäpfchen (und die falschen Männer) an wie ein Monstermagnet.  Herrlich menschlich, herrlich tollpatschig und herrlich normalgewichtig. Ach was war das für eine schöne Zeit, im Fernsehen eine solche Frau zu sehen. Dass Rene Zellweger sich für die Rolle gefühlte 20kg raufspeckelte und runterhungerte sei hier mal Nebensache.

Es geht ja im Kern um ein Thema in diesem Film: Gute Männer – schlechte Männer. Wie schon treffend beschrieben wurde, geht es um Bridget Jones, die ihrem Tagebuch sämtliche Vodka Shots, Zigaretten pro Tag und Männergeschichten anvertraut. Auf der Arbeit hat sie ihren Bad Guy – Cleaver. Ein cleverer Kerl, mit dem man es irre lustig haben kann, der aber wenig Traummann-zum-Knuddeln-und-Behalten Qualitäten besitzt. Im krassen Kontrast dazu haben wir diesen anderen Kerl, dessen Namen ich immer vergesse eben WEIL er eigentlich so kreuzlangweilig und unerotisch dargestellt wird – Darcy. Der Good Guy im biederen Rentierpulli. Letzterer trifft es ziemlich gut – das ist so ziemlich das animalischste, was man aus dem Typ herausholen kann. Denkt man!

Denn am Schluss lässt Darcy Sätze fallen, wie „Ich mag Sie wirklich. Genau so, wie Sie sind.“ Und trifft damit bei der betrogenen, pummeligen, unsicheren Bridget direkt in die Herzgegend. Er verzeiht ihr sogar ihre blaue Suppe und kocht am Ende mit ihr ungeniessbare Crèpes. Wie romantisch ist das denn. Ganz offensichtlich ist der langweilige, angepasste, nette Kerl gut für Bridget (und damit stellvertretend jede Frau). Und der ausgeflippte, sexy Typ ein notorisches Fremdgehwildschwein, welches Bridget (und die Frauen) wohl eher nicht glücklich machen wird. Die Moral von der Geschicht‘…?

Irgendjemand hat diese Regeln gemacht denn sie tauchen in so ziemlich allen erfolgreichen Büchern und Verfilmungen auf. Wie in „Shades of Grey“ WEISS die Protagonistin ja eigentlich, wer oder was ihr gut tut, aber sie tut dann doch nicht, was ihr Verstand sagt, sondern ihre Libido. Vermehrt und vergnügt euch mit den Bösen und lebt bis in alle Ewigkeit mit den Guten. Is that the message? Nein. Denn es gibt auch Gesamtpakete. Für Männchen und Weibchen. Aber sie tarnen sich geschickt und fallen neben den Bad Girls und Bad Guys nicht wahnsinnig auf. Drum: Augen auf. Sie sind irgendwo da draussen.

Jetzt wird uns ja im Film auch suggeriert, dass Singles irgendwie nicht komplett sind, und dass jeder Topf seinen Deckel finden könne und irgendwie auch soll. „All by myself – don’t wanna be all by my self anymore“ singt Bridget beschwippst in ihre Haarbürste. Und das gilt nach wie vor, denn James Arthur zum Beispiel singt momentan aus Leibeskräften in den Charts „you’re nobody til somebody loves you“. Das ist doch etwa das Bescheuertste, was man sagen kann. Denn müsste es nicht heissen: „you’re nobody, unless you start liking yourself a tiny little bit too“?

Ich gebe dem Film 3 von 4 Vodkashots, und eine Extragrosse Tafel Milchschokolade extra dazu. Denn er ist witzig, man fiebert mit (obwohl man den Ausgang schon ahnt) und einer der fetten Vodkashot geht an die Oma-Spanx. Ganz grosses Kino, dass sie sich mit sowas an den Backen vor die Kamera traut!

dirty to me

Ob man will oder nicht hofft man als Zuschauer vor dem Fernseher, dass Bridget ihren Good Guy kriegt. Und dass der böse Cleaver eins aufs Dach bekommt. Aber am Ende bleiben dann doch viele Fragen: Wie geht’s weiter mit Bridget und Darcy? Leben sie nun glücklich bis an ihr Lebensende? Gibt’s den Rentierpulli auch in ihrer Grösse? Und was ist mit dem Oma Schlüpper passiert? Was gibt’s denn bitte Schöneres, als am Ende des Films alle unrealistischen Szenen und total vorhersehbaren Momente zu analysieren, auseinanderzunehmen und sie mit einer grossen Cup of Wine herunter zu spülen?

Und wehe es sagt jemand: „Ähm…zum Bischpil…Champions League!“. Dann gibt’s zu Weihnachten einen Rentierpulli und Bridget Jones II.

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Und nun, das Urteil von Frau R.:

„Nun denn, lady und (gentle?)man, Ihr beide habt es nicht anders gewollt. Mit Mundschutz, Stulpen und jeglichem anderen denkbaren Schutz stelle ich mich der ehrenvollen Aufgabe, Eure Beiträge zu bewerten. An dieser Stelle überlege ich mir gerade, ob ich dies wirklich als Schiedsrichterin tun soll oder ob dies nicht bereits zu parteiisch wäre – immerhin lässt der Herr der Runde ganz geschlechterkonform auch das Fussballspiel nicht unerwähnt. Andererseits bin ich ja selber weiblichen Geschlechts, was per se auch schon ein wenig parteiisch ist. Gut, also bin ich Schiedsrichterin und walte meines Amtes. Zunächst meinen Dank an Euch Filmkritiker für diese beiden ideenreichen Beiträge. Das Gute vorweg, rote Karten verteile ich keine. Dunkelgelb muss ich jedoch einerseits für den Rülpser, andererseits für die Tasse Wein vergeben. Bei beidem schreit mein Stilempfinden laut auf. Sowohl der männliche als auch der weibliche Beitrag beinhalten eine gehörige Portion Charme und Witz. Aber: Das Thema lautet ja bekanntlich „Beinahe-Filmklassiker, aus der Sicht der Männer und der Frauen interpretiert“. Eine genauere Analyse der Beiträge zeigt, dass die Herausforderin das Thema getroffen, ihr Gegner dieses eher ein wenig verfehlt hat. Immerhin erwartet man von einer Interpretation in erster Linie wenigstens sich mit dem Inhalt des Films auseinandersetzende Worte und nicht eine schlichte, wenn auch sehr unterhaltsame Zusammenfassung des zu interpretierenden Werks. Die Herausforderin dagegen hat das Konzept dieses typischen Frauenfilms mit einem liebevoll-kritischen Unterton beleuchtet und dazu noch der Singlewelt neuen Mut beschert. Bravo! Lautete das Thema „Filmklassiker – die Gedanken sind frei“, wäre mein Urteil wohl anders ausgefallen und insbesondere die Sitzsackpassage wäre zugunsten des Herausgeforderten ins Gewicht gefallen (hier wurde sogar ein wenig interpretiert!). Vor diesem Hintergrund gebe ich persönlich dem Beitrag in Dunkelpink den Vorzug und überlasse es selbstverständlich den Kommentatoren, eine abweichende Meinung zu vertreten. Einzig über eine harsche Kritik am Thema selbst lasse ich nicht mit mir streiten: Beinahe-Filmklassiker? Also ich muss doch sehr bitten! „Bridget Jones“ IST ein Filmklassiker, Basta.“